„Rental Family“ ist ein japanischer Film der Regisseurin Hikari. Oscarpreisträger Brendan Fraser spielt den Schauspieler Phillip Vanderploeg, der in Tokio von unbedeutenden Nebenrollen und billigen Werbeauftritten lebt. Rental Family, eine Agentur, die sich auf Dienstleistungen im Leben von einsamen, unglücklichen und hilflosen Menschen voller Sehnsucht spezialisiert hat, verpflichtet ihn. Das Engagieren von professionellen Schauspielern, die als Familienmitglied agieren, ist in Japan üblich, wo man Eltern, Kinder, Lebenspartner oder Freunde zeitweise buchen kann. Im Film mietet eine Japanerin den viel älteren Phillip als Bräutigam – für eine vorgetäuschte Hochzeitsfeier. Die Familie ist zufrieden, und die Braut verbringt Flitterwochen mit ihrer großen Liebe, einer Frau. Gleichgeschlechtliche Ehen sind in Japan nicht anerkannt. Ein weiterer Auftrag für Phillip: Eine alleinerziehende Mutter fürchtet, dass sie ohne repräsentativen Vater ihre elfjährige Tochter nicht in einer wichtigen Schule unterbringen wird. Phillip springt ein und gewinnt das Mädchen lieb. Das bringt ihn in die Bredouille, weil seine Einmischung in Erziehungsfragen die Mutter verärgert.
In der Rolle eines Journalisten, der einen alternden Schauspieler im Auftrag der Tochter interviewen soll, damit dieser sich wieder wertgeschätzt fühlt, beutelt es Phillip richtig. Denn der alte Herr möchte noch einmal sein Heimatdorf sehen – was die Tochter untersagt. Philipp aber hat den eigensinnigen Senior gern und möchte ihm den letzten Wunsch erfüllen. Das kostet ihn einiges an Kraft, Fantasie und Durchhaltevermögen.
„Rental Family“ zeigt, dass man Rollen spielen kann im Freundes- und Verwandtenkreis. Man kann so tun als ob. Aber selbst da wird das Schauspiel zu Wirklichkeit. Phillip geht immer wieder über seine beauftragte Rolle hinaus. Beziehungen leben nicht von perfekten Inszenierungen, von vorgetäuschten Gefühlen. Sondern von Wahrheit, ehrlichen Emotionen und aufrichtigen Worten. Das ist keine pure Harmonie. In solchen Beziehungen knistert und knallt es, da gibt es überschäumende Freude und wütende Konflikte. Wenn das Miteinander echt ist, dann hat man mit Streit zu tun, mit Verlust, Eifersucht und Scheitern. Zugleich gibt es Tränen lachende Freude, Gelegenheiten, sich zu verzeihen, Sorge und Verantwortung füreinander, Freiheit und leidenschaftliche Bindung. Ich habe seit über 40 Jahren keine Eltern mehr, Geschwister sowieso nicht. Jemanden stundenweise mieten? Niemals.
Meine im Lauf des Lebens gesammelten Wahlverwandtschaften sind von bezaubernder Buntheit. Ich Glückliche. Und Brendan Fraser würde ich sofort dazunehmen. Er sollte überdies auf der Stelle seinen zweiten Oscar kriegen.