Eichenau – Die sogenannten Straßenausbaubeiträge (kurz Strabs) wurden per Volksbegehren abgeschafft. Seit 2018 können Kommunen keine Beiträge mehr für den reinen Straßenausbau verlangen. Aber es gibt eine Grauzone: die Strebs. Für die Ersterschließung einer Straße können sehr wohl die Bürger zur Kasse gebeten werden – so wie jetzt in Eichenau (Kreis Fürstenfeldbruck) bei einer 50 Jahre alten Straße.
Leidtragende sind dutzende Eigenheimbesitzer. Sie wohnen an der 300 Meter langen Meisenstraße und haben gerade ihre Bescheide für die Anschließung der Straße an die Kanalisation erhalten. Die Kosten belaufen sich auf rund 560.000 Euro. Um die 90 Prozent tragen die Grundstücksbesitzer. Je nach Grundstücksgröße beträgt der Anteil zwischen 8000 und 51.000 Euro. Unserer Zeitung liegt eine Liste vor, die die Belastung aufzeigt. Im Minimalfall gehen 30 Prozent der Jahresrente für die Zahlung drauf. In der Hälfte der Fälle sind es allerdings mehr als 60, im Maximalfall sogar 191 Prozent. „Fast zwei Jahresrenten“, sagt Anwohner Peter Widmann. Das Argument der Gemeinde, die Grundstücke würden durch die Maßnahme an Wert gewinnen, ist für ihn nicht stichhaltig. „Das hat nur Bedeutung, wenn man das Grundstück verwerten will.“
Protest bei der Gemeinderatssitzung war erfolglos. Nach der Meisenstraße sollen weitere Straßen folgen. Die Betroffenen schließen sich zusammen, sogar über einen gemeinsamen Anwalt wird nachgedacht. Nur die zu erwartenden Anwaltskosten halten die Bürger aus dem Eichenauer Westen noch zurück. Das Geld könnte schließlich für die Strebs gebraucht werden. Trotzdem, Anwohner Thomas Berthold sagt: „Die Gemeinde hat es geschafft, dass wir zusammenhalten.“HANS KÜRZL