Ein anspruchsvoller Weg: Jost Lammers über das Bauprojekt. © Kneffel/dpa
Modernes Design: Die neue Lounge am Airport. © dw
Platz für zwölf Flugzeuge gleichzeitig bietet das neue Pier am Terminal 1 des Flughafen München. © Marcus Schlaf
München – Es ist fast wie ein eigenes Terminal: Sechs Millionen Passagiere im Jahr können künftig im neuen Flugsteig des Terminal 1 abgefertigt werden – so viel wie am Flughafen Hannover. Der topmoderne Anbau („Pier“) wurde gestern Nachmittag durch einen Festakt eröffnet – der erste Flieger soll in einer Woche andocken.
Es war ein langer Weg. Schon 2018 begannen die Bauarbeiten, die jedoch während der Corona-Krise eingestellt wurden. Das Projekt wurde auch teurer – 665 statt der geplanten 400 Millionen Euro, was der Flughafen aus eigenen Mitteln ohne staatliches Geld finanzierte. „Der Weg zum Flugsteig war anspruchsvoller, als wir uns das vorgestellt hatten“, sagte Flughafenchef Jost Lammers.
An Superlativen war gestern bei den Festreden vor 800 Festgästen, darunter auch Freisinger Lokalpolitiker wie etwa die designierte Landrätin Susanne Hoyer (CSU), kein Mangel. Ministerpräsident Markus Söder nannte den Flugsteig ein „Signal gegen Pessimismus, Angst, Gemotze und Gemecker“. Gegen Skeptiker wie Grünen-Fraktionsvize Johannes Becher, der kürzlich weitere Ausbaupläne als „Größenwahn“ bezeichnet hatte, betonte Söder für die bayerische Staatsregierung: „Wir wünschen uns mehr Passagiere.“
Rund 40 Fluglinien werden am neuen Pier andocken, das gesamte Non-Schengen-Aufkommen. Europäische Linien wie TUI, Air France oder KLM bleiben im Altgebäude des Terminal 1. Sie werden demnächst innerhalb des T1 umziehen müssen, denn nach Eröffnung des Piers soll das Altgebäude abschnittsweise saniert werden. In den neuen Flugsteig verlagert werden indes Gesellschaften wie Turkish Airlines, Vietnam Airlines und Cathay Pacific, vor allem aber die drei großen arabischen Gesellschaften Qatar, Emirates und Ethihad, die nach Einschätzung des Flughafens den größten Anteil der Passagiere stellen werden. Deshalb sind die hochpreisigen Restaurants wie etwa Käfers Restaurant „Odeon“ auch in arabischer Anmutung gestaltet: schwere Samtsessel, Gold-Zierat an der Decke. Zwei Lounges laden betuchte Gäste ein. Für 72 Euro kann jeder Fluggast in die vom Flughafen betriebene zweistöckige „Airport Lounge World“, die bei exklusiven Weinen Blick aufs Flugvorfeld ermöglicht, sofern man sich nicht eine Dusche genehmigt. Emirates betreibt die zweite Lounge, beim Eröffnungstag versperrten Hostessen den Weg, sofern man nicht geladener Gast war. Aber auch Edelmarken wie Boss und Breitling sowie ein FC Bayern sind präsent. „Der neue Pier steht für Qualität“, sagte Flughafenchef Lammers. Auch Münchens Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) lobte den Flugsteig – er sprach anstelle des designierten OB Dominik Krause (Grüne), der wegen Sondierungsverhandlungen mit der SPD abgesagt hatte.
Zwei Positionen (bei insgesamt zwölf Gates) sind für das größte Flugzeug A380 vorgesehen – nur Emirates verfügt über diesen Riesenflieger.
Unter den Gästen war auch der ehemalige Flughafen-Chef Michael Kerkloh, der den Anbau auf den Weg gebracht hatte. „Wunderbar, endlich geht es los“, sagte er unserer Zeitung. Von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hatte man sich Aussagen zum Ausbau der Bahnanbindung erwartet. Doch der CDU-Politiker blieb vage: Es werde „Expressverbindungen“ geben, sagte Schnieder, ohne ein Datum zu nennen. Und eine ICE-Anbindung, die sich die IHK dringend wünscht, werde „geprüft“. Mit feiner Ironie sprach ihn Finanzminister Albert Füracker (CSU) direkt an: „Wir sind dankbar, dass die Fernbahnanbindung demnächst kommt“. Gelächter im Publikum.
Obwohl der neue Terminal-Anbau noch nicht voll ausgelastet sein wird, soll er in Gänze in Betrieb gehen. Sechs Millionen Passagiere sind eine theoretische Maximalgröße, am Anfang werden es weniger sein. Erster Flieger am neuen Pier wird eine Maschine der türkischen Sunexpress sein. Sie soll laut Flugplan am 21. April frühmorgens als erste andocken.DIRK WALTER