NACHRUF

Ein Unternehmer mit Sinn für die Kunst

von Redaktion

Otto-Ernst Holthaus, Kaufhausgründer und Todesmarsch-Zeitzeuge, stirbt im Alter von 95 Jahren

Das Isar Kaufhaus in Wolfratshausen – eröffnet von Otto-Ernst Holthaus. © Hermsdorf-Hiss

Unternehmer und Künstler: Otto-Ernst Holthaus in seinem Atelier. © Privat

Grünwald – Er war erfolgreicher Unternehmer, Künstler, bedeutender Mäzen und ein Mahner für die Erinnerung. Nun ist Otto-Ernst Holthaus gestorben, wenige Monate nach seinem 95. Geburtstag im Januar.

Geboren 1931 in Bremen zog er im Alter von fünf Jahren mit seiner Mutter und den beiden älteren Geschwistern nach Grünwald im Landkreis München. Der Vater war ein Jahr zuvor gestorben. 1945 sah er die Todesmärsche von KZ-Häftlingen, die damals von SS-Schergen gepeinigt gen Süden getrieben wurden. Das ließ ihn nicht los. Als Zeitzeuge berichtete er oft über diese Bilder. Am 29. April hörten er und sein Freund Rudi dieses merkwürdige Geräusch: „Holzschuhschlürfen.“ Sie sahen Gestalten „in gestreiften Pyjamas“ und mit Decken, die nach Brot bettelten. Die SS habe sofort gebrüllt: „Gebt ihnen nichts, alles Kriminelle.“ Aber Rudi und er hätten sich die Taschen vollgestopft und versucht, den Häftlingen etwas zu geben. Als Ende der 1980er-Jahre die Initiative zur Aufstellung von Mahnmalen entstand, war Holthaus ein steter (auch finanzieller) Förderer. Auch mit ehemaligen KZ-Häftlingen wie Zwi Katz war er befreundet.

Holthaus, von seinen Freunden liebevoll „Ernesto“ genannt, konnte auf ein erfolgreiches Berufsleben zurückblicken. Er arbeitete für die Deutsche Bank in Rom, später im Import-Export-Geschäft, ehe er 1966 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte – und in Wolfratshausen das Isar Kaufhaus eröffnete. Um gewitzte Marketing-Ideen war er nie verlegen, einmal ließ er Elefanten die Marktstraße entlanglaufen. 1972 folgte eine Filiale in Geretsried, zwölf Jahre lang führte er auch noch einen Handwerkermarkt in Wolfratshausen.

Nach einer Krebserkrankung, die ihm das Sprechen erschwerte, erfand er sich noch einmal neu – als Künstler. Er schuf rund 500 Gemälde und Zeichnungen. An seinem 95. Geburtstag im Januar saß er schon im Rollstuhl, wirkte bei der Feier im August-Everding-Saal der Gemeinde Grünwald aber noch munter. Sein Sohn Frederik sagte bei der Feier: „Ich bin dankbar, einen solchen Vater zu haben.“ Otto-Ernst Holthaus hinterlässt seine Frau Stefanie, drei Kinder und acht Enkel.AK/DW

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