Wohl bekomm‘s: Django Asül schenkte auch gestern der Politik kräftig ein. © Roman BABIRAD
München – Ob das jetzt gut ist für einen Kabarettisten? Ein paar Meter vor Django Asül sitzt die vollständig versammelte Landesregierung und scheint sich tatsächlich zu amüsieren. Kein verkniffenes Halblächeln wie am Nockherberg, wenn die Prominenz frontal abgewatscht wird, eher heitere Zustimmung. Man könnte daraus schließen, dass die 16. Rede des niederbayerischen Kabarettisten beim Maibockanstich im Hofbräuhaus ein wenig zahm geraten ist, aber damit würde man ihm Unrecht tun. An Spitzen mangelt es nicht. Aber die schärfsten zielen in die Ferne.
Das lässt sich gar nicht vermeiden. Die steilsten Vorlagen für beißenden Spott bietet gerade der Berliner Politikbetrieb, verglichen damit geht es im Freistaat beinahe betulich zu. Schon das Singspiel am Nockherberg hatte bundespolitische Schlagseite, und auch Asül arbeitet sich erst mal wortreich ab an „Arbeitsallergikerministerin“ Bärbel Bas und Wirtschafts-Ressortchefin Katherina Reiche. Die habe momentan, wo es für die Ölkonzerne so gut läuft, genug Zeit für ihren Hauptjob: „Das Sorgerecht für Karl-Theodor zu Guttenberg.“
Es sind zwei grundverschiedene politische Welten, denen er sich mit scharfer Zunge widmet. In Berlin dilettiere eine Bundesregierung vor sich hin, die nicht ohne Grund NGO‘s ausbremsen wolle: „Schwarz-Rot ist selber eine Nichtregierungsorganisation.“ Und während der Kanzler schon froh sein könne, „wenn der Abend da ist“, dürfe sich Markus Söder in der „Parallelwelt“ glücklich schätzen, „dass er in Bayern sitzt und nicht in Deutschland“. Söder, in der Vergangenheit von ihm nicht immer zart angefasst, wird da gerne zustimmen. Letztes Jahr fehlte er beim Maibockanstich wegen der Koalitionsverhandlungen. Lustig war es da eher nicht.
Auch die 16. Auflage seines Derbleckens ist ein klassischer Django: nie plump, meist hintersinnig und ziemlich lässig. Viel Raum erhalten, zeitlich und inhaltlich naheliegend, die Kommunalwahlen. Bei ihm daheim in Hengersberg habe die CSU einen Kantersieg gelandet, sagt Asül, wahlentscheidend sei der Besuch der Agrarministerin Michaela Kaniber gewesen. Nicht dass er damit die Politik auf Äußerlichkeiten reduzieren wolle: „Wenn Ästhetik reichen würde, wäre der Hubert (Aiwanger) längst Bundeskanzler.“
Hier, weit weg von der Bundes-, aber auch der Landespolitik, ist der Niederbayer in seinem Element. Dieter Reiter, dem gefallenen Münchner OB, reibt er hin, er habe angeblich gar nicht gewusst, dass er für seine Ämter beim FC Bayern Geld bekommt – dieses aber dennoch versteuert. Für CSU-Anhänger sei er damit natürlich unwählbar gewesen: „Ein echter Schwarzer weiß immer, wenn er Geld bekommt. Ob er es dann versteuert, ist eine ganz andere Geschichte.“
Nicht viel besser kommt sein Nachfolger Dominik Krause weg. Die Ankündigung, 50.000 Wohnungen zu bauen, sei so ehrgeizig wie ehrenwert, aber auch hochriskant: „Denn daran kann man gemessen werden. Das ist eben die Unbekümmertheit eines Neulings. Der politische Gegner mag es auch Naivität nennen.“
Söder und die CSU hingegen kommen diesmal weitgehend ungeschoren davon, am Ende wird sogar noch eine ihrer umstrittensten Ideen rehabilitiert. Die Ausländermaut, erinnert Asül, habe man früher „verunglimpft bis zum Geht-nicht-mehr“. Heute werde das Konzept international mit großem Erfolg umgesetzt: „In der Straße von Hormus.“MARC BEYER