Störche auf Wohnungssuche

von Redaktion

Viele Tiere bauen gerade ihr Nest für die Brutzeit – teilweise an problematischen Orten

In Hohenlinden bauten die Störche auf der Kirche. © DZ

Ein Bahnmitarbeiter entfernte das Nest in Langwied. © SRO

Die Mariensäule in Freising gefällt einem Storchenpaar so gut, dass es dort mit dem Nestbau begann. © Lehmann

Freising – Die Mariensäule in der Freisinger Altstadt bekommt seit einigen Tagen noch etwas mehr Aufmerksamkeit als bisher. Das verdankt sie einem Storchenpaar, das das Haupt der Gottesmutter als idealen Platz für ein neues Zuhause auserkoren hat. Ast für Ast flogen sie tagelang an, um sich auf der Schulter der Marienfigur einen Horst zu bauen. Dass sie dabei von etlichen Passanten gefilmt und fotografiert wurden, hat die Tiere nicht gestört. Die Stadtverwaltung allerdings hält den Standort nicht für storchengeeignet – und plant gerade eine Umsiedlung. Dafür wird das Marcushaus storchenfit gemacht. Dort soll eine professionelle Nisthilfe installiert werden. Experten gehen davon aus, dass die Störche das Alternativangebot annehmen werden. Und aus naturschutzfachlicher Sicht sei der Standort auf dem Hausdach optimal.

Auch Alexandra Prinz verfolgt den Freisinger Fall. Sie ist Storchenexpertin beim Landesbund für Vogelschutz. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich um Jungstörche handelt, denen beim Nistbau noch Erfahrung fehlt“, sagt sie. Allerdings würden gerade Schwarzstörche, die engsten Geschwister der Weißstörche, auch auf Bäumen und in Wäldern nisten. „Die Statue hat aus Storchensicht Ähnlichkeit mit einem Geäst“, sagt Prinz. Grundsätzlich würden sich Störche für ihren Horst allerdings eher höher gelegene Orte suchen, damit sie einen guten Überblick haben, erklärt die Expertin. Außerdem achten sie auf einen gefahrenfreien Anflug. Allerdings nicht immer.

Im Kreis Weilheim-Schongau ist jüngst ein Storchennest von einem Strommast gestürzt. Und im Kreis Ebersberg hatte ein Storchennest auf einem Strommast der Deutschen Bahn den halben Ort Langwied in Aufruhr versetzt. Ein Team des Konzerns hatte das Nest mit Genehmigung der Behörden geräumt. Doch die Vögel waren bald wieder da und fingen mit dem Bau von vorn an. Bevor die Bahn erneut einschreiten konnte, wurde der Protest im Dorf so groß, dass der Konzern kapitulierte. Die Störche dürfen zumindest für diese Saison bleiben. Für das nächste Jahr soll ein Ersatz-Nistplatz eingerichtet werden. Hochspannungsmasten sind auch für die Störche selbst gefährlich, erklärt Expertin Alexandra Prinz. „Und sie können dort natürlich einen Kurzschluss verursachen.“ Aus diesem Grund seien Umsiedlungen an solchen Orten manchmal sinnvoll. „Grundsätzlich ist das aber nur außerhalb der Brutzeit möglich“, betont Prinz.

Es sei nicht selten, dass Störche sich aber von ihrem Nistplatz nicht so einfach abbringen lassen – so wie in Ebersberg. Dann bleibe oft keine andere Möglichkeit als Vergrämungsmaßnahmen, sagt Prinz. Auf Kaminen könnten zum Beispiel Blechdächer angebracht werden, um zu verhindern, dass Störche dort nisten.

Hausbesitzern rät die Expertin schnell zu handeln, wenn sie beobachten, dass Störche ihr Dach inklusive Photovoltaikanlage für einen Horst auserkoren haben. Wenn die ersten Bauversuche entfernt werden, lassen sich Störche oft noch vertreiben. Ist das Nest bereits fertig, rät Prinz, einen Rat bei den örtlichen Naturschutzbehörden oder Fachverbänden einzuholen, um eine gute Lösung im Einklang mit dem Naturschutz zu finden. Hin und wieder wird es in den kommenden Wochen wohl noch etwas Aufruhr geben wegen Tieren, die sich einen ungünstigen Platz für ihren Horst gesucht haben. Denn – und das ist die gute Nachricht: Laut einer aktuellen Studie gibt es in Deutschland so viele Weißstörche wie nie zuvor.KATRIN WOITSCH

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