Augsburg – Die Staatsanwaltschaft hat wegen der Misshandlungsvorwürfe in der Augsburger Justizvollzugsanstalt (JVA) weitere Beamte wegen Körperverletzungsdelikten und anderer Straftaten angeklagt. Zehn ehemalige Mitglieder der Sicherungsgruppe der JVA werden in der zweiten Anklage beschuldigt, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Bereits im Januar hatte die Behörde Anklage gegen die ehemalige JVA-Leiterin, ihre frühere Stellvertreterin sowie ein weiteres ehemaliges Mitglied der Sicherungsgruppe erhoben.
Beide Anklagen liegen nun beim Landgericht in Augsburg. Das Gericht muss über die Zulassung und die Eröffnung von Hauptverfahren entscheiden. Einen Termin für mögliche Prozesse gibt es bislang nicht. Bis zum rechtskräftigen Abschluss der Verfahren gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung.
Die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der JVA in Gablingen bei Augsburg waren im Herbst 2024 bekannt geworden. Im Zentrum steht insbesondere die frühere stellvertretende Anstaltsleiterin. Deren Verteidiger hatten die Anschuldigungen mehrfach zurückgewiesen.
Bei den Vorwürfen geht es vornehmlich um das Einsperren von Insassen in die sogenannten besonders gesicherten Hafträume. Diese Sonderzellen, die für aggressive oder suizidgefährdete Häftlinge gedacht sind, sollen zu oft oder zu lange belegt worden sein, auch um Inhaftierte zu schikanieren. Ferner sollen Häftlinge von den Gefängnismitarbeitern körperlich misshandelt worden sein. Die Sicherungsgruppen in den bayerischen Gefängnissen bestehen aus besonders ausgewählten Justizbeamten, die bei Konfliktsituationen zum Einsatz kommen. Sie sind quasi die Spezialeinheiten der JVA und werden beispielsweise für Zellenkontrollen bei als gefährlich eingestuften Gefangenen eingesetzt.DPA