Der Winterschlaf ist vorbei: Felix Fischer zeigt zwei wache, gesunde Tiere. Ist der Mund gesund (o. re.) und stimmt das Gewicht (u. re.), wird die Kröte freigelassen.
Stimmt das Gewicht, geht‘s ins Freie.
Ziemlicher Trubel: Ein Blick in die Wintertonne, die die Schildkröten nun verlassen können.
In den Chelonia-Gehegen der Auffangstation herrschen ideale Lebensbedingungen.
Raus aus der Wintertonne: Tierpfleger Felix Fischer von der Reptilienauffangstation mit zwei wachen, gesunden Schildkröten. © Astrid Schmidhuber (5)
München – Es ist Frühling im Schildkrötengehege „Chelonia“ in der Reptilienauffangstation. Schmetterlinge flattern herum, der Sonnenschutz auf dem ehemaligen Gewächshaus fährt zur Seite. Tierarzt Markus Baur und Tierpfleger Felix Fischer bauen auf einem Tisch alles auf, was sie heute brauchen: eine Waage, ein Transponder-Lesegerät, diverse Container und eine mehrseitige Liste. Heute holen sie die rund 150 Landschildkröten der Reptilienauffangstation aus dem Winterschlaf. „Ende Oktober haben wir sie eingesetzt“, sagt Fischer. „Einige haben sich zuvor schon in der Erde verbuddelt, die müssen wir jetzt im Gehege suchen. Aber idealerweise schlafen die Schildkröten in ihren Winterunterkünften ein.“
In den Regentonnen herrschen im Winter acht bis neun Grad
Bei diesen Unterkünften handelt es sich um sechs Regentonnen, die in der Erde vergraben sind – hier herrschen im Winter Temperaturen von acht bis neun Grad, also mehr als an der Oberfläche. Schließlich sollen die Tiere nicht erfrieren. Die Tonnen sind zu zwei Dritteln mit Laub und Erde gefüllt, damit die Kröten – Breitrandschildkröten sowie Griechische, Maurische und Russische Landschildkröten – sich darin eingraben können wie in der freien Natur. „Öffnen wir dann im Frühling die Abdeckung, sehen wir direkt, ob sie wach obenauf sitzen oder noch eingegraben schlafen.“
Zuerst werden die Schildkröten gezählt. Haben alle überlebt? Manche kommen aus schlechter Haltung und sind gesundheitlich vorbelastet, könnten also während des Winterfastens an Organversagen sterben. Doch heute ist ein guter Tag. Nahezu alle sind noch da.
Wurden sie dann per Schubkarre zum Arzttisch gefahren, kommt Markus Baur zum Einsatz. Er liest den Transponder-Chip jedes Tieres, um es eindeutig zu identifizieren. Und zwar nach Zahlen wie „1231“. Namen haben die vielen Schildkröten nicht. Sind sie auf der Liste abgehakt, wiegt Baur sie, sieht ihnen in Augen und Schnabel, untersucht sie auf Blutergüsse. „Dann werden sie ins Gehege gesetzt und kloppen sich wahrscheinlich“, sagt Baur. „Die Schildkrötenmännchen müssen ausfechten, wer der Chef ist. Danach beginnt auch schon bald die Paarungszeit.“
Schildkröte Ramses bleibt lieber untergetaucht
Im Gewächshaus daneben leben rund 300 Wasserschildkröten mit den Alligatoren Fred, Emma und Brandy. Auch sie sind erwacht, aber eher scheu. Die Nil-Weichschildkröte Ramses bleibt jedenfalls untergetaucht.
Jetzt, da die Schildkröten aus dem Winterschlaf erwacht sind, sind sie auch bereit für ein neues Zuhause. Die Reptilienauffangstation gibt gerne Tiere ab. Allerdings muss, wer sich für einen oder mehrere Panzerträger interessiert, bestimmte Voraussetzungen erfüllen. „Ein Gehege im Garten mit freien Flächen zum Sonnen und Pflanzen zum Verstecken sollte da sein“, sagt Baur. Man könne Schildkröten gut alleine halten, oder aber ein Männchen mit mehreren Weibchen. Wärmelampen und ein Schildkrötenkühlschrank sind auch ein Vorteil. „Und natürlich Erfahrung.“ Interessenten mailen an: info@reptilienauffangstation.de.ISABEL WINKLBAUER