Stillgelegt: das ehemalige Kernkraftwerk Isar 2 in Niederbayern. © Peter Kneffel/dpa
München – Drei Jahre nach dem Aus für das Atomkraftwerk Isar 2 in Niederbayern schreitet dessen Rückbau unaufhaltsam voran. Nach einer Panne im November 2025 laufen die Arbeiten seit März wieder regulär, wie eine Sprecherin des Betreibers PreussenElektra mitteilte. Trotzdem erfreut sich die Debatte um die Zukunft der Atomkraft einer schier endlosen Beliebtheit. Zur jüngsten Idee von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) zur Wiederinbetriebnahme abgeschalteter AKW kommt von PreussenElektra für Isar 2 prompt die klare Absage: „Wir bleiben dabei: Aus unserer Sicht ist die Anlage nicht mehr reaktivierbar.“
Der Meiler in Essenbach (Landkreis Landshut) befindet sich seit April 2024 im Rückbau, die Arbeiten sollen Anfang 2040 abgeschlossen sein. Isar 2 war als eines der letzten drei damals noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland in der Nacht zum 16. April 2023 vom Netz gegangen. Damit war der deutsche Atomausstieg vollzogen.
Neben Spahn hatte in den vergangenen Monaten auch CSU-Chef Markus Söder immer wieder für eine Zukunft der Atomenergie geworben. Er sprach sich dabei – wie auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) – aber nicht für klassische Atomkraftwerke, sondern für sogenannte Small Modular Reactors (SMR) aus. Das sind kleine Meiler, die bisher weltweit aber noch nicht serientauglich für die Energieerzeugung nutzbar sind.
Gesetz verhindert Atom-Renaissance
Abseits der technischen Umsetzung verhindert derzeit auch der rechtliche Rahmen eine Renaissance der Atomkraft in Deutschland. Darauf weist in einer aktuellen Anfrage der Grünen im Landtag auch das bayerische Umweltministerium explizit hin: „Um die atomrechtliche Zulassung der Errichtung und des Betriebs von SMR in Verbindung mit der Stromerzeugung sowie der Transmutation zu ermöglichen, müsste im Atomgesetz des Bundes das Verbot der Neugenehmigung kommerzieller Kernkraftwerke sowie der Wiederaufarbeitung bestrahlter Kernbrennstoffe und der hierfür notwendigen Anlagen aufgehoben werden.“
Für den energiepolitischen Sprecher der Landtagsgrünen, Martin Stümpfig, wäre eine Änderung des Atomgesetzes ein Tabubruch, der weit mehr Folgen hätte: „Kurz vor dem 40. Jahrestag von Tschernobyl will Markus Söder ein Wackersdorf 2.0 zulassen“, sagte er. Um Söders SMR-Fantasien umsetzen zu können, müsse das Verbot neuer Atomkraftwerke gekippt und sogar die Wiederaufarbeitung wieder zugelassen werden. „Das ist brandgefährlich, teuer und hilft uns in der aktuellen Ölpreiskrise kein bisschen.“
Was geschieht aktuell am Kraftwerk Isar 2?
An den AKW-Standorten wird mit Hochdruck am Rückbau gearbeitet. Im Meiler Isar 2 läuft der Sprecherin zufolge beispielsweise seit Ende 2024 die Zerlegung der Reaktordruckbehälter-Einbauten. Bei diesem Teilprojekt hatte es im November 2025 einen sogenannten meldepflichtigen Vorfall gegeben. Dabei war ein etwa 800 Kilogramm schweres Metallstück in das doppelwandige Becken gefallen und beschädigte dessen innere Auskleidung, wie das Unternehmen damals mitteilte. Durch den Riss lief Wasser in den Zwischenraum zwischen der inneren und äußeren Beckenwand.
Nach erfolgreicher Reparatur der Beckenauskleidung seien die Arbeiten an diesem Teilprojekt kürzlich wieder aufgenommen worden, so die Sprecherin. Der Abschluss der Zerlegung und der Verpackung sei für Mitte 2027 geplant. Überdies seien zwischen Mai 2025 und Februar 2026 die Hauptkühlmittel-Leitungen demontiert worden. Die Dampferzeuger sollen von 2026 bis 2031 in zwei Etappen zerlegt werden. Eine Kampagne zum Entfernen weiterer Brennelemente sei für August 2027 bis August 2028 vorgesehen. Von September 2028 bis März 2030 sollen die Demontage des Reaktordruckbehälters sowie bis Anfang 2033 die Demontage von biologischem Schild und Tragschild folgen.
Weitere Meiler in Bayern im Rückbau
Isar 1 befindet sich seit 2017 im Rückbau. Das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld südlich von Schweinfurt wird seit 2015 zurückgebaut. Die zwei Kühltürme wurden 2024 gesprengt. Ende Oktober 2025 folgte die Sprengung der Kühltürme des Kernkraftwerks Gundremmingen im Kreis Günzburg. Dieses war Ende 2021 mit der Abschaltung des dritten Blocks endgültig vom Netz gegangen.U. WESSELS/M. HADEM