So hart trifft uns die Diesel-Krise

von Redaktion

Bus, Schiff & Zug: Wie Bayerns Firmen unter der Kostenexplosion durch den Iran-Krieg leiden

Der Regiozug der BRB fährt mit Diesel. © BRB/Denger

Bei der Chiemsee-Schifffahrt fahren 13 Schiffe mit Diesel. Und das ist gerade sehr teuer. © Chiemgau Tourismus

Der Unternehmer setzt auf E-Mobilität: Josef Ettenhuber von Busreisen Ettenhuber.

München – Wenn Josef Ettenhuber auf die Dieselpreise schaut, ist das derzeit wenig spaßig. Schließlich sind die innerhalb weniger Wochen infolge des Iran-Kriegs sprunghaft angestiegen. Ettenhuber ist Geschäftsführer von Busreisen Ettenhuber, die meisten seiner Fahrzeuge fahren – zumindest noch – mit dem Kraftstoff. Die Fahrzeuge sind außerdem als Regionalbusse in manchen MVV-Verbundlandkreisen unterwegs. Die enormen Preissteigerungen belasten das Unternehmen. Auch an der Bayerischen Regiobahn (BRB) und der Chiemsee-Schifffahrt geht die Erhöhung nicht spurlos vorbei.

■ Busreisen Ettenhuber

Extreme Kostensteigerungen: Das ist für Busreisen Ettenhuber derzeit harte Realität. Die Firma mit Sitz in München und Ebersberg zahlt als Großabnehmer zwar nicht den regulären Tankstellenpreis. Aber die Preissteigerung spürt Ettenhuber trotzdem massiv.

So zahlte das Unternehmen am 4. März – also kurz nachdem die Straße von Hormus blockiert wurde – für einen Liter Diesel bereits 16 Cent mehr als vor der Blockade. Der Höhepunkt war am 8. April erreicht: Da waren es ganze 60 Cent mehr als vor der Blockade, teilt Ettenhuber mit. Nach der in der vergangenen Woche verkündeten Waffenruhe gingen die Preise schließlich wieder ein wenig zurück. Am 14. April lag die Differenz bei Ettenhuber für den Liter Diesel immer noch bei 38 Cent. „Wir brauchen alle zwei Wochen 90.000 Liter Diesel“, sagt der Geschäftsführer. Bei solchen Mengen machen sich schon Cent-Beträge deutlich bemerkbar. Die jetzigen Schwankungen wirken sich aber enorm aus. „Der Dieselpreis ist richtig schlimm für uns.“

Insgesamt hat Ettenhubers Unternehmen 150 Dieselbusse, drei Elektrobusse und fünf, die mit Wasserstoff betrieben werden. Schon länger kämpft das Unternehmen mit extrem hohen Kosten, etwa durch gestiegene Löhne. Dass nun auch noch die Spritpreise durch die Decke gehen, ist besonders belastend.

Dennoch: Die Preiserhöhungen beim Diesel möchte das Unternehmen bei den Busreisen nicht an die Kunden weitergeben. „Wir erhoffen uns durch die Dieselpreiserhöhung zusätzliche Fahrgastauslastung bei unseren Busreisen, womit wir diese Preiserhöhung dann kompensieren können.“ Diesel-Krise hin oder her: Ettenhuber will bald ganz auf E-Mobilität umsteigen. „Wir müssen weg vom Diesel und hin zum Strom“, sagt Ettenhuber. Große Investitionen über 16 Millionen Euro in Ladeinfrastruktur und weitere Millionen für neue Busse sollen 2027 starten. Und das in einer Zeit, in der die Kassen ohnehin schon klamm sind, sagt Ettenhuber.

■ Bayerische Regiobahn

Die Bayerische Regiobahn (BRB) ächzt ebenso unter den gestiegenen Kraftstoffpreisen. Insgesamt verfügt die BRB über 142 Züge. 42 davon fahren elektrisch, 100 mit Diesel. „Die gestiegenen Dieselpreise wirken sich bei uns sehr stark aus“, sagt BRB-Sprecherin Annette Luckner. „Die Mehrkosten für die BRB liegen hochgerechnet für 2026 bei mehr als drei Millionen Euro, wir kaufen derzeit gut 50 Cent je Liter Diesel teurer ein als geplant.“ Der Jahresverbrauch für die Züge der BRB liegt bei mehr als 13 Millionen Litern.

Da Eisenbahnverkehrsunternehmen ihre Fahrkartenpreise nicht frei festlegen dürfen, können die Kosten nicht spontan auf Ticketpreise und damit auf Fahrgäste umgelegt werden. Und eine Rückerstattung der gestiegenen Kosten durch die Verkehrsverträge mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft sei nicht in allen Fällen gegeben, sagt Luckner.

■ Chiemsee-Schifffahrt

Auch an der Chiemsee-Schifffahrt gehen die extremen Preissteigerungen der vergangenen Wochen nicht spurlos vorbei. Dort sind 13 Schiffe unterwegs, die mit Dieselmotoren ausgestattet sind. Als Treibstoff kommt synthetischer Diesel zum Einsatz, erklärt Schifffahrts-Chef Michael Feßler. „Tatsächlich macht der Einkauf von Treibstoff zurzeit keinen Spaß“, sagt er.

Konkrete Aussagen über die Entwicklung der Fahrpreise könne das Unternehmen derzeit nicht machen. Feßler betont: „Tatsächlich versuchen wir, Preisanpassungen zu vermeiden, das hängt aber von der Dauer dieser Extrempreisphase ab.“FRANZISKA WEBER

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