Wichtiger Tag im Leben der Gymnasiasten: Ab Mittwoch wird in Bayern Abitur geschrieben, heuer müssen 29.000 Schüler ran. © Tobias Kleinschmidt
München – Der erste Jahrgang des neuen neunjährigen Gymnasiums (G9) startet am Mittwoch mit den Abiturprüfungen. Für rund 29.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern geht es damit in die finale Phase ihrer Schullaufbahn. Im vergangenen Jahr waren es nur circa 5900 gewesen – durch die Umstellung vom achtjährigen Gymnasium (G8) war der Jahrgang nahezu „ausgefallen“. Nur Wiederholer, Überflieger und junge Menschen, die die Mittelstufe plus beziehungsweise eine Einführungsklasse besucht hatten, legten 2025 in ausgewählten „Auffangnetzschulen“ ihre Reifeprüfung ab.
Heuer kann das Abitur wieder wie gewohnt an allen öffentlichen und staatlich anerkannten Gymnasien, an Kollegs und Abendgymnasien abgelegt werden. Unverändert bleibt auch, dass die Prüfungen in fünf Fächern erfolgen: drei davon schriftlich, zwei mündlich. Allerdings haben die Kandidaten im Gegensatz zu ihren Vorgängern im G8 mehr Freiheiten bei der Wahl ihrer Prüfungsfächer.
In den Augen von Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) ist dies eine echte Errungenschaft: „Damit ist unsere neue Oberstufe etwas ganz Besonderes.“ Die Schüler könnten nach ihren individuellen Talenten und Interessen Schwerpunkte setzen. Es ist aber keine komplette Neuerfindung, dass Bayerns Jugend das Abitur nach der 13. Klasse ablegt. Erst zum Schuljahr 2004/05 hatte der Freistaat das damalige G9 auf den internationalen G8-Standard umgestellt – ein Schnellschuss, der die Gymnasien über Jahre hinweg nicht zur Ruhe kommen ließ.
Schon im Herbst 2014 begann mit der Entscheidung für das Pilotprojekt Mittelstufe plus, bei dem die Jugendlichen ein Jahr mehr Lernzeit für den Stoff der Mittelstufe bekamen, der langsame Abschied vom G8. Im Frühling 2017 wurde dann endgültig die Rückkehr zum G9 zum Schuljahr 2018/19 beschlossen.
Die Reform wurde von einem ganzen Bildungspaket begleitet und sollte mehr inhaltliche und zeitliche Freiräume ermöglichen. Dabei stehe das bayerische Gymnasium in einem ganz besonderen Maße für eine positive Leistungskultur, hob Stolz hervor. Denn geschenkt wird den Schülern die Allgemeine Hochschulreife weiterhin nicht: Sie müssen drei der fünf Prüfungen in Fächern mit „erhöhtem Anforderungsniveau“ ablegen. Dazu gehören in der Regel Deutsch und Mathematik, ergänzt um ein weiteres Leistungsfach.
Neu ist laut Kultusministerium, dass nur die Prüfung in Deutsch oder Mathematik – und nicht mehr in beiden Fächern – verpflichtend schriftlich abgelegt werden muss. Zudem können auch naturwissenschaftliche und gesellschaftswissenschaftliche Fächer als drittes Leistungsfach gewählt werden, das bislang eine Fremdsprache sein musste. Und die Fremdsprache im Abitur kann fortan durch eine Naturwissenschaft ersetzt werden. Möglich ist laut Ministerium zudem sogar die Wahl von zwei Fremdsprachen, zwei Naturwissenschaften oder zwei gesellschaftswissenschaftlichen Fächern in der Abiturprüfung.
Den Startschuss geben heuer die Prüfungen im Fach Biologie. Die Schüler werden ihr Können vom 22. April bis zum 13. Mai bei den schriftlichen und vom 18. Mai bis zum 12. Juni bei den mündlichen Prüfungen (Kolloquien) unter Beweis stellen. Die Übergabe der Abiturzeugnisse erfolgt – meist in feierlichem Rahmen – am 26. Juni.
Den Hochschulen im Freistaat bereitet die heuer wieder wesentlich größere Gruppe an Abiturienten keine wesentlichen Probleme. „Die Auswirkungen waren im vergangenen Jahr nicht hoch, als die Studierenden wegblieben, weil sie nahezu vollständig kompensiert wurden von Studierenden aus anderen Bundesländern und dem Ausland“, erläuterte der Sprecher der Technischen Universität München (TUM), Ulrich Meyer. „Wir haben die bayerische Delle nicht gespürt, wir spüren auch die Welle nicht. Wir nehmen die besten Studenten, die wir bekommen können.“DPA