Helden mit Herz

von Redaktion

Residenz: Lebensretter-Medaillen an 78 Bayern verliehen

Jan-Marco Müller und Lucia Jander halfen zwei Kindern, deren Mutter sie im Wahn töten wollte.

Auch Johann Schnitzer (69) bekam von Ministerpräsident Markus Söder die Rettungsmedaille verliehen.

Stolzer kann man kaum sein: Lukas rettete seinen Opa Roland (rechts), der bewusstlos am Traktor zusammengebrochen war. Die ganze Familie (links Papa Tobias) kam zur Medaillen-Verleihung in die Münchner Residenz. © Achim Schmidt (4)

München – Messerstechereien, brennende Autos, Lebensgefahr: Aus all den Geschichten, die diese Menschen erlebt haben, könnte man dramatische Kinofilme drehen – alle mit Happy End! 28 Bayern sind gestern in der Münchner Residenz mit der Bayerischen Rettungs- und 50 mit der Christophorus-Medaille ausgezeichnet worden. Ministerpräsident Markus Söder begrüßte persönlich „all die Helden Bayerns“. „Sie haben Ihr Leben und Ihre Gesundheit gefährdet und einfach geholfen“, lobte er. „Sie alle sind Schutzengel geworden für Menschen in Not.“ Helfen sei nicht ans Alter, ans Geschlecht oder soziale Gegebenheiten gebunden, sondern: „Es ist eine reine Frage des Herzens.“ Hier erzählen vier Retter exemplarisch für alle Geehrten ihre Geschichte:

Johann Schnitzer (69) aus Garmisch-Partenkirchen hört im November 2024 vor seinem Haus verzweifelte Hilferufe eines Mannes. Der wird von jemandem mit dem Messer angegriffen. Es ist kurz vor sieben Uhr morgens, noch im Schlafanzug und in Hausschuhen eilt er zu Hilfe. „Ich bin in die Garage gegangen und hab‘ mir einen großen Stecken geholt.“ Seine Frau ruft ihm noch „Pass bloß auf!“ hinterher. Johann Schnitzer ringt den Messerstecher – ein Mann in einer psychischen Ausnahmesituation – zu Boden und hält ihn fest, bis die Polizei eintrifft. Der Angegriffene, ein Zufallsopfer des Täters, überlebt schwer verletzt.

Lukas Gick (7) aus Waischenfeld (Kreis Bayreuth) ist der jüngste Bayer, der gestern geehrt wurde. Er hat im November 2024 seinem Opa Roland das Leben gerettet. Der 59-Jährige will an diesem Morgen mit dem Bulldog Baumstämme zum Sägewerk fahren. Lukas möchte mitfahren, zieht sich nur noch schnell warme Kleidung an. Als er zum Traktor läuft, sieht er, dass sein Opa bewusstlos am Fahrersitz zusammengebrochen ist. Der Bulldog rollt rückwärts. Der Bub macht alles richtig: Er nimmt Opas Fuß vom Gaspedal, den Ganghebel raus und stoppt den Motor. Es stellt sich heraus: Der Großvater hatte einen epileptischen Anfall. Heute geht es ihm wieder gut – und die ganze Familie ist stolz auf Lukas.

Lucia Jander (26) und Jan-Marco Müller (35) haben 2023 bei Oberhaching im Kreis Münchenzwei Kinder (11) und (13) gerettet, deren Mutter sie im Wahn töten wollte. „Wir waren im Auto unterwegs, kamen gerade vom Sport, als wir auf einer Straße das Wrack eines Autos an einem Baum sahen“, erzählen die beiden. Sie denken an einen Unfall, in Wirklichkeit ist die Mutter der Kinder bewusst an den Baum gefahren. Als sie merkt, dass die Kinder noch leben, sticht sie mit einem Brotmesser auf sie ein. „Hilfe, unsere Mama will uns umbringen!“, schreien die Kinder. Jan-Marco kämpft mit der Frau, Lucia drückt die Wunde eines Buben zu, ruft Hilfe. Die Mutter ist mittlerweile verurteilt, die Kinder haben überlebt. Ihre Schreie aber hallen bei den Rettern bis heute nach.

Verena Stahr (11) hat im Januar 2024 in Eschenlohe (Kreis Garmisch-Partenkirchen) selbstlosen Mut gezeigt. Die damals noch Neunjährige fährt mit dem Skilift, als sie merkt, dass ein Mädchen vor ihr, die heute achtjährige Leni, sich mit dem Helm im Bügel des Lifts verhakt hat und keine Luft bekommt. Verena schreit um Hilfe, hangelt sich am Seil des gestoppten Skilifts hoch zu Leni. „I hab den Haken aufgmacht und gschaut, dass sie richtig liegt.“ Die Kleine ist bewusstlos. Ein Hubschrauber bringt sie ins Krankenhaus, sie hat alles gut überstanden. „Ja, i hab scho Angst gehabt“, sagt Verena. „Aber nicht, dass mir was passiert, sondern dass die Leni nimmer aufwacht.“ Heute können die Mädels wieder zusammen lachen.ANDREA STINGLWAGNER