Plauderpartnerin Bettina Marquart telefoniert in allen Alltagssituationen. © Lehmann
Stellen Sie sich vor, Sie haben kleine Alltagssorgen oder sich unglaublich gefreut – und es gibt niemanden, mit dem Sie Ihre Gefühle teilen können. Das Plaudernetz der Malteser schafft Abhilfe. Seit Sommer 2025 können Menschen, die sich einsam fühlen, per Telefon Gesprächspartner finden. Ehrenamtliche Mitarbeiter schenken den Anrufern ihre Zeit – so wie Bettina Marquart. Ein guter Grund, ein bisserl mit ihr zu plaudern.
Wie kamen Sie zu dem Ehrenamt im Plaudernetz, Frau Marquart?
Grundsätzlich helfe ich einfach gerne und möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben. Da ich schon länger ehrenamtlich für die Malteser tätig bin, habe ich vom Plaudernetz erfahren. Und wenn man andere schon mit einem Telefonat glücklich machen kann, ist das ja eine sehr einfache Sache.
Mittlerweile gibt es deutschlandweit über 700 Plauderpartner. Welche Eigenschaften sollten sie mitbringen?
Auf jeden Fall sollte man gerne reden und telefonieren. Außerdem braucht man Offenheit für die unterschiedlichsten Menschen und Themen.
Worüber plaudern die Anrufer denn so mit Ihnen?
Das können ganz banale Alltagsthemen sein wie das Wetter oder das Mittagessen, das man gekocht hat. Manche erzählen von ihren Urlaubsplänen oder Reiseerlebnissen. Manchmal sind wir aber auch das Ventil für Alltagssorgen, die die Anrufer umtreiben. Im Sommer hatte ich mal eine ältere Dame in der Leitung, die Sorge hatte, dass es ihrem Hund zu heiß wird. Wir haben dann gemeinsam Ideen gesammelt, wie sie das Tier wieder runterkühlen kann.
Wie lange dauern die Gespräche im Schnitt?
Letztens hatte ich einen netten Herren am Telefon, der mir am Keyboard etwas vorspielen wollte. Nach zehn Minuten hatte er keine Lust mehr und hat das Gespräch beendet, aber er war superglücklich. Ich engagiere mich beim Plaudernetz auch als Tutorin. Deshalb weiß ich, es gibt auch Gespräche, die anderthalb oder zwei Stunden dauern. Manchmal kommt man vom Hundertsten ins Tausendste. Und das ist auch das Schöne an den Gesprächen – solange es für beide Seiten in Ordnung ist. Bei uns muss man kein schlechtes Gewissen haben, wenn man ein Gespräch beendet. Sollte der Anrufer noch Redebedarf haben, kann er die Nummer des Plaudernetzes noch mal wählen und mit einem anderen Plauderpartner sprechen.
Wer dann abhebt, entscheidet der Zufall. Oder können sich Anrufer Gesprächspartner wünschen?
Das geht leider nicht. Wir melden uns auch nie mit unserem Nachnamen. Die oberste Regel ist Anonymität. Manche Ehrenamtliche geben sich in den Telefonaten sogar einen Spitznamen, weil sie sich damit besser fühlen. Mehr wissen wir auch nicht von unseren Anrufern.
Die Plauderpartner werden vor dem ersten Einsatz geschult, sind aber ausdrücklich keine Ansprechpartner in schweren Lebenskrisen.
Dafür sind wir definitiv nicht ausgebildet, und es ist ja auch nicht die Idee des Angebots. Wenn sich zeigt, dass jemand in einer Krise sein könnte und das Gespräch in eine falsche Richtung geht, sagen wir offen, dass wir dafür nicht zuständig sind, und nennen die richtigen Anlaufstellen.
Ist Einsamkeit vor allem eine Frage des Alters, oder rufen auch jüngere Semester an?
Einsamkeit kann jedes Alter betreffen. Auch das Verhältnis zwischen Anrufern und Anruferinnen ist absolut ausgeglichen. Ich hatte mal einen Studenten dran, der sagte: Ich fange in einer Stunde das Arbeiten an und wollte vorher noch mit jemandem reden. Oder eine Studentin, die neu in der Stadt war und niemanden kannte. Sie hat erzählt, dass sie besser Deutsch lernen möchte und es schön findet, dass sie beim Plaudernetz mit verschiedensten Dialekten konfrontiert wird und so ihre Sprachkenntnisse verbessern kann.
Die Anrufer wollen vermutlich auch oft positive Erlebnisse teilen.
Absolut. Im Advent hat mich mal eine Dame angerufen, die schon mit einem Lachen ans Telefon gegangen ist. Sie hatte auf dem Christkindlmarkt ein wunderbares Erlebnis. An einem Standl wollte sie sich die Zukunft vorhersagen lassen. Statt der Wahrsagerin hat offensichtlich deren kleiner Sohn das Gespräch übernommen. Wir haben herzlich gelacht und die positive Energie wirkt bei mir bis heute nach.