Erik Lenhard aus Grafing. © stefan rossmann
Ein Bild reicht: ein altes Klettergerüst, drei Meter hoch, darunter eine Betonplatte, gepostet auf Instagram. Für Erik Lenhard aus Grafing (Kreis Ebersberg) ist es mehr als nur ein Foto. „Irgendwie kam da ein Gefühl von damals hoch“, sagt er. Der 54-Jährige ist plötzlich wieder mittendrin in seiner Jugend. In einer Zeit, die für ihn „einfach und frei“ war. Ihn lässt dieses Gefühl nicht mehr los, beginnt zu schreiben: Erinnerungen, Begriffe, kleine Szenen. Daraus entsteht sein Buch „Jugend in den 80ern – Das Lexikon der Generation X“. Es ist kein klassisches Nachschlagewerk, sondern eher eine Reise zurück. „Ich habe dieses Jahrzehnt voll ausschöpfen können“, sagt Lenhard. Und genau dieses Gefühl will er weitergeben. Nicht Fakten stehen im Vordergrund, sondern Erlebnisse. Wer weiß heute noch, was „Tutti Frutti“ oder „Dalli Dalli“ war? Oder wie sich Videotext anfühlte? Lenhard erklärt das – aber anders, als man es erwartet. Er beschreibt etwa die Diskette. Natürlich erwähnt er die 720 Kilobyte Speicher, doch wichtiger ist für ihn etwas anderes: „Wir beschrifteten sie mit Edding, klebten Etiketten und sortierten ganze Schuhkartons voll.“ Und weiter: „Das Rattern im Laufwerk, das endlose Laden, das alles war Teil des Erlebnisses. Eine Diskette in der Hand zu halten, fühlte sich an wie die Zukunft.“
Lenhard schreibt über große Namen und kleine Dinge. Über Milli Vanilli und „Miami Vice“. Über Bonanza-Räder, Opel Manta und Boris Becker. Über Dr. Sommer und das erste vorsichtige Erwachsenwerden. Viele Begriffe sind inzwischen verschwunden. Andere sind geblieben, manche kommen zurück. „Die Jeansjacke war damals der neueste Schrei und ist heute wieder da.“ Doch das Buch ist keine Verklärung, Lenhard blendet die dunklen Seiten nicht aus. Auch Tschernobyl, der Kalte Krieg und der Nato-Doppelbeschluss finden ihren Platz. „Wir wuchsen auf mit Nachrichten über Raketenstationierung, atomare Abschreckung und Spionage“, schreibt er. Gerade dieser Kontrast macht für ihn die 80er aus. Eine Zeit zwischen Unbeschwertheit und Bedrohung. Ein Alltag zwischen analog und digital. Es geht Lenhard um mehr als Nostalgie: Er will Erinnerungen wachrufen. „Ich wollte kein Wissen vermitteln, sondern ein Gefühl“, sagt er. Das ist ihm gelungen.CHRISTIAN SCHÄFER