Gottes Segen für Homosexuelle

von Redaktion

Münchner Kardinal Marx stärkt Rechte gleichgeschlechtlicher Paare

Vor der Regenbogenfahne, dem Symbol queerer Menschen, predigt Kardinal Marx. © Tobias Hase

München – Der katholische Pfarrverband München-Pasing macht kein Geheimnis darum. Auf der Internetseite werden „unterschiedlich gestaltete Segensfeiern zu verschiedenen Anlässen“ angeboten. „Auch für queere Paare“, steht da noch. „Wir freuen uns auf Sie!“ Kirchliche Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare sind in Bayern keine Seltenheit mehr. Doch seit gestern erlaubt Kardinal Reinhard Marx die Praxis im Erzbistum München und Freising ganz offiziell.

In einem aktuellen Schreiben an die Seelsorgerinnen und Seelsorger in seinem Verantwortungsbereich empfiehlt er eine entsprechende Handreichung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) „als Grundlage pastoralen Handelns“, wie das Erzbistum mitteilt. Vor ziemlich genau einem Jahr hatten DBK und das ZdK – die Vertretung der sogenannten Laien, der Gläubigen in den Gemeinden – die Handreichung verabschiedet. „Die Kirche bringt Paaren, die in Liebe verbunden sind, Anerkennung entgegen und bietet ihnen Begleitung an“, heißt es in dem Papier.

Das Neue daran: Zwar hatten auch vorher immer schon einzelne katholische Priester schwule oder lesbische Paare gesegnet, aber sie bewegten sich dabei in einer kirchenrechtlichen Grauzone. Das ist jetzt anders. Der Segen hat gleichsam den Segen von oben. Voraussetzung ist, dass der jeweilige Ortsbischof die Handreichung der DBK in Kraft setzt – wie Marx jetzt. Auch geschiedene und wiederverheiratete Katholiken können den Segen künftig empfangen, wenn der Ortsbischof sein Einverständnis gibt. Ebenso wie für gleichgeschlechtliche Paare ist auch für sie eine kirchliche Hochzeit tabu – denn die Ehe ist in der katholischen Kirche Mann und Frau vorbehalten, und man hat nur einen Versuch frei.

Umgesetzt wird die vor einem Jahr verabschiedete Handreichung beispielsweise bereits im Bistum Limburg, wo der frühere DBK-Vorsitzende Georg Bätzing Chef ist. Auch im Erzbistum Bamberg wird sie bereits angewendet. Anders ist die Situation dort, wo konservative Bischöfe das Sagen haben. „Eine solche Empfehlung wird es für das Bistum Regensburg nicht geben“, stellt etwa ein Sprecher des Regensburger Oberhirten Rudolf Voderholzer klar. Aus den Bistümern Augsburg und Passau gab es zunächst keine Antwort auf die Frage, ob die Handreichung in Kraft treten soll.

Beim Lesben- und Schwulenverband LSVD+ Bayern freut man sich, „dass aus München heraus ein Signal für Liebe und Gleichberechtigung gesendet wird“, sagt Markus Apel. Er lobt ausdrücklich den Einsatz von Marx für Gleichberechtigung – gerade in Zeiten, in denen queere Menschen häufig Anfeindungen erleben.

Der progressive und offen schwule Münchner Priester Wolfgang Rothe hat schon 2021 öffentlich schwule und lesbische Paare gesegnet. Es war eine deutschlandweite Protestaktion liberaler Geistlicher gegen das damals von der Glaubenskongregation ausgesprochene, noch kategorischere Verbot, homosexuelle Paare zu segnen.

Die aktuelle Entwicklung begrüßt Rothe: „Das ist für die katholische Kirche nichts weniger als ein Sprung über den eigenen Schatten und ein wenn auch kleiner, so doch epochaler Fortschritt.“ Gleichgeschlechtliche Paare, die ihre Liebe segnen lassen wollen, seien jetzt keine Bittsteller mehr, Priester, die der Bitte nachkommen, müssten keine negativen Konsequenzen mehr fürchten. Auch er selbst sei mehrfach zu seinem Vorgesetzten einbestellt worden. Er hat bislang etwa zehn gleichgeschlechtliche Paare gesegnet. Er rechnet nicht damit, dass homosexuelle Paare den Pfarrämtern jetzt plötzlich die Türen einrennen. „Sie haben ihren eigenen Weg gefunden“, sagt Rothe. „Oder sie haben der katholischen Kirche längst den Rücken zugewandt.“DPA, CAZ

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