Im Kloster Polling gibt es bereits ein Hospiz mit zehn Gästezimmern. Nun entsteht ein neuer Gebäudetrakt. © Gronau
Polling – Am Freitag ist es so weit: Nach einer Planungszeit von fast sieben Jahren findet die Grundsteinlegung für das Projekt „Zwei Hospize in Polling“ statt. Der Hospizverein im Pfaffenwinkel (Kreis Weilheim-Schongau) spricht von einem „wichtigen Meilenstein“ – und das nicht ohne Grund. Um das seit 2002 im Kloster Polling untergebrachte Hospiz langfristig zu sichern, braucht es dringend eine Erweiterung. Im neuen, vom Augsburger Architekt Rainer Fischer geplanten Gebäudetrakt sollen 16 Hospizplätze (derzeit zehn Gästezimmer) für Erwachsene und zusätzlich acht Plätze in einem Kinderhospiz geschaffen werden.
Für den Hospizverein war das Planverfahren ein steiniger Weg: „Nach vielen, oft mühseligen und aufwendigen Vorarbeiten und Planungen wurde im Dezember 2025 die Baugenehmigung erteilt“, heißt es in dem Text, der am Freitag in einer Zeitkapsel in den Grundstein eingelassen werden soll. Darin steht auch, dass man sich nach Differenzen vom ursprünglich vorgesehenen Betreiber des Kinderhospizes trennen und mit der gemeinnützigen „Kinderhospiz St. Martin GmbH“ einen eigenen Träger gründen musste.
Das Projekt „Zwei Hospize in Polling“ stieß auch im Klosterdorf nicht nur auf Unterstützer. Es gab – wenn auch wenige – Bedenkenträger, die Polling als Dorf mit der Erweiterung überfordert sahen. Auch mit dem unmittelbaren Nachbarn im Klosterquartier gab es zunächst keine Einigung. Doch irgendwann war klar, dass das Dominikanerinnenkloster, in dem das Hospiz einquartiert ist, als Bauherr fungieren wird. „Das Bistum Augsburg beteiligt sich mit einem großzügigen Baukostenzuschuss in Höhe von 4,5 Millionen Euro. Weitere Zuschüsse leisten die beiden Hospize. Sie erhalten dafür über einen Zeitraum von 30 Jahren eine verbilligte Miete“, heißt es in dem Zeitkapseltext.
Organisatorisch betreut wird das Bauprojekt vom St. Ulrichswerk Augsburg. In Polling fanden mehrere Bürgerinformationen zum Planungsverfahren statt. Dabei ging es teilweise ziemlich hitzig zu. Kritisiert wurde aber nicht die Hospizerweiterung an sich, sondern die städtebauliche Vermarktung des klostereigenen und noch unbebauten Areals an der Ziegelbreite unweit des Klosters. Die ist notwendig, um die Hospizerweiterung zu finanzieren – allein die Baukosten betragen knapp 18 Millionen Euro. Auf dem Areal sollen elf Reihen- und vier Mehrfamilienhäuser entstehen. Nach den ersten Protesten von Anliegern machte das Ulrichswerk weitgehende Zugeständnisse und speckte die Entwürfe ab. Zudem sicherte man den Bau eines Regenrückhaltebeckens zu. Die Mehrheit im Gemeinderat machte in einer Marathonsitzung im Januar den Deckel auf das Bauleitverfahren drauf. Polling wird damit ein Klosterdorf und Hospizstandort bleiben. B. JEPSEN