25 JAHRE GUT AIDERBICHL

„Ich lebe – und das gern!“

von Redaktion

Gnadenhof-Gründer Michael Aufhauser über sein Vermächtnis

Stargast: Pamela Anderson bei Michael Aufhauser im Jahr 2012. © Schneider-Press

Michael Aufhauser (Mi.) mit seinem Nachfolger Dieter Ehrengruber und Pflegerin Chris in seinem Garten in Salzburg. © Privat (2)

Henndorf – Sein ganzes Leben hat Michael Aufhauser dem Tier verschrieben; seinem Schutz als Ausdruck der Menschlichkeit und seiner Rettung als Spiegelbild des Umgangs mit den Schwächsten. Dafür errichtete der in Augsburg geborene ehemalige Touristikmanager und Millionär vor 25 Jahren Gut Aiderbichl in Henndorf bei Salzburg, um exemplarisch zu zeigen, wie Tiere fühlen und dass sie keine Sache, sondern Mitgeschöpfe sind. Auf seine Initiative hin fand dies schließlich auch Eingang in die Landesverfassung. Mit seinem Wegbegleiter und VertrautenDieter Ehrengruberhat Aufhauser sein Anliegen groß gemacht, ja, sogar Hollywood dafür begeistert: Pamela Anderson oder die Hasselhoffs waren und sind regelmäßig in Salzburg zu Gast.

Im Jahr 2002 lebten gerade mal 23 Tiere auf Gut Aiderbichl. Die Keimzelle einer großen Vision. Inzwischen sind es 10.000 auf 31 Höfen in sechs Ländern. Davon allein 800 Pferde, über 1000 Hunde, 24 Schimpansen aus Versuchslaboren oder die fünf von Hand aufgezogenen Tiger, deren Moskauer Zirkus nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs pleiteging.

350 Mitarbeiter sind für sie da. 100.000 Euro kostet die Aiderbichl-Idee inzwischen am Tag, knapp 40 Millionen im Jahr. Finanziert von 150.000 Paten und Spendern, über Eintrittsgelder, Schenkungen und Nachlässe. 14 engagierte Aiderbichler fanden sogar schon ihre letzte Ruhe auf dem Gutshof, seit es ein Waldstück mit Urnengräbern und Kapelle gibt. Die Einlösung eines Gelübdes, nachdem Aufhauser wie durch ein Wunder vor elf Jahren den Riss seiner Aorta überlebt hatte.

In der Folge erlitt Michael Aufhauser mehrere Schlaganfälle, lag im Koma und viele Monate im Krankenhaus, doch er konnte wieder in seine Salzburger Villa zurückkehren, wenn auch an den Rollstuhl gefesselt, blind und schwer pflegebedürftig. Inzwischen hat er sich vollständig zurückgezogen und will in seinem Sein auch gar nicht mehr gestört werden. Am Samstag feiert er seinen 74. Geburtstag und Gut Aiderbichl im Mai sein 25. Jubiläum.

Es gehe ihm gut, lässt er ausrichten. Und: Ja, er lebe immer noch gern! Das spricht er auf Tonband auf Anfrage unserer Zeitung. Seine Tage verbringt er mit Therapien, drei fest angestellten Pflegern, die ihm die Zeitung vorlesen, Lieblingsspeisen auftischen und für sein Wohl sorgen. Jeden Tag hört er sich stundenlang Tier-Dokus im Fernsehen an; da hat er die Bilder vor seinem inneren Auge. Mit der ihm eigenen Ironie sagt er dazu: „Ich habe die ganze Welt gesehen, mehr muss ich gar nicht mehr sehen.“ Aufhauser gibt sich gern seinen Gedanken und seinem Glauben hin. Keineswegs aber ist er unglücklich. Er will nur da sein, nichts müssen, wie seine Tiere. „Ich bin dankbar, dass ich einen Teil dazu beitragen konnte, die Stimme der Tiere zu stärken“, sagt er im Rückblick. Und: „Ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, wie wichtig Freundschaft und Liebe sind.“

Der Treueste an seiner Seite: Dieter Ehrengruber (49), von der ersten Stunde an dabei. 2015 trat er Aufhausers Nachfolge an und führt die Geschäfte. Regelmäßig berichtet er Michael Aufhauser von den Entwicklungen auf Gut Aiderbichl. „Michaels Wesen hat sich in all den Jahren der Krankheit nie verändert“, erzählt Ehrengruber, „nur die Kondition wird zunehmend weniger. Er ist ruhiger geworden, durchdenkt mehr und lässt sich nur ungern dabei stören.“ULRIKE SCHMIDT