Die evangelische Kirche St. Sebald in Nürnberg. © Getty
Nürnberg – Mehr als eine halbe Million Menschen wollten vergangenes Jahr die evangelische Kirche St. Sebald in Nürnberg besuchen. Viele Kirchenschätze sind darin zu sehen, unter anderem das berühmte Sebaldusgrab. Aber wie viele Kirchen in Bayern kämpft auch die Pfarrei St. Sebald mit fehlenden Einnahmen. Die Spendeneinnahmen gehen seit Jahren zurück – und es gibt immer weniger Kirchensteuerzahler. „Es fehlt Geld“, sagt Jürgen Körnlein, der als Stadtdekan für ganz Nürnberg zuständig ist. Auch die zweite Stadtkirche St. Lorenz prüfe derzeit, ob Eintrittsgelder eingeführt werden sollen.
Die Entscheidung trifft jede Pfarrei für sich, erklärt Christine Büttner, Sprecherin der evangelischen Landeskirche. Infrage komme der Eintritt aber nur für hochfrequentierte Kirchen, die sich viele Touristen ansehen wollen. Das sagt auch Dekan Körnlein. „Wenn eine Kirche 10.000 Besucher im Jahr hat, wird sich niemand an den Eingang stellen und Eintritt verlangen.“ Auch künftig dürfe jeder noch kostenlos für ein persönliches Gebet in die Kirche, betont er. Gemeindemitglieder, Vereins- und Chorangehörige sowie Gottesdienstbesucher müssen ebenfalls keinen Eintritt zahlen. Aber wer die Kirche wegen ihrer Kultur und Geschichte besuchen will, muss ab 17. Mai fünf Euro bezahlen. Eine Jahreskarte ist für 15 Euro zu haben. „Wir haben über viele Jahre gehofft, dass wir mit der freiwilligen Spende hinkommen“, sagt Körnlein. Aber jetzt stehe fest: „Wir müssen mehr Einnahmen generieren, um die Kirche zu erhalten.“ Es stehen Sanierungsarbeiten in Millionenhöhe an. Von der Landeskirche gibt es zwar Unterstützung – allerdings nur 50.000 Euro pro Jahr. Allein der laufende Unterhalt liegt aber bei über 300.000 Euro jährlich.
Bisher ist St. Sebald noch ein Einzelfall. Christine Büttner von der Landeskirche kann sich aber vorstellen, dass andere Pfarreien in den kommenden Jahren nachziehen werden. Die Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber verlangt bereits Eintritt. Und das seit 120 Jahren. „Damals waren das Pfennigbeträge“, erzählt die Pfarrerin Dorothea Bezzel. Sie weiß das, weil ihr Vater einst eine Radtour nach Rothenburg gemacht hatte und die Eintrittskarte für die Kirche in sein Tagebuch klebte. Die Eintrittsgelder wurden damals eingeführt, weil die Pfarrei auch eine angrenzende Bauhütte für Steinmetze erhalten muss. Außerdem liege die Baulast allein bei der Kirchengemeinde, sagt Bezzel. Im Inneren der Kirche befinden sich viele Kunstgegenstände und wertvolle Altäre. Es werde sowieso Personal für die Aufsicht benötigt, erklärt Bezzel. Wichtig ist ihr, den Besuchern zu zeigen, dass die Kirche offen ist. Jeder, der dort beten, eine Kerze anzünden oder innehalten möchte, muss keinen Eintritt bezahlen. Außerdem gibt es kostenlose Führungen und Orgelkonzerte. Touristen zahlen aber 3,50 Euro – ab Sommer 5 Euro.
Der Eintritt verleihe einer Kirche auch einen gewissen Museums-Charakter, das räumt Bezzel ein. Und hin und wieder hört sie auch kritische Kommentare, die Kirche sei geldgierig zum Beispiel. Sehr viele hätten aber Verständnis und sind dankbar, dass die Kunstschätze und der besondere Ort so erhalten werden können. Und Touristen aus dem Ausland seien es meist gewohnt, für Kirchen Eintritt bezahlen zu müssen.
Der Nürnberger Dekan hatte sich bei Bezzel vor der Entscheidung nach ihren Erfahrungen erkundigt. „Allerdings ist die Situation in Nürnberg nicht ganz vergleichbar, weil sie den Eintritt ja neu einführen.“ Als vor Kurzem bekannt wurde, dass der Kölner Dom ab Sommer Eintritt von Touristen verlangt, hatte das bereits zu einer Debatte geführt. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte erst vor ein paar Wochen betont, dass der Zugang zu katholischen Kirchen – auch zum Münchner Dom – kostenlos bleiben wird.