Machtwechsel bei den Jägern

von Redaktion

Weidenbusch abgewählt: Hubert Stärker ist neuer BJV-Präsident

München/Straubing – Richtungswechsel beim Bayerischen Jagdverband: Die Delegierten in der mitgliederstärksten Jagdvereinigung in Bayern haben am Samstag beim Landesjägertag in Straubing einen neuen Präsidenten gewählt. Der Augsburger Hubert Stärker setzte sich mit knapp 52 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Ernst Weidenbusch durch. Der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete aus dem Kreis München führte den schon seit Langem intern zerstrittenen Verband seit Dezember 2020. Nun muss er seinen Posten räumen.

Überraschend kam die Abwahl für einige Mitglieder nicht. Konflikte beim Waffenrecht mit dem Deutschen Jagdverband, dem der BJV zur Irritation vieler Mitglieder nicht angehört, autokratischer Führungsstil, ein schwieriger Umgang mit Mitarbeitern und Ehrenamtlichen und rebellische Kreisgruppen prägten die Amtszeit von Weidenbusch. Mit seinem Gegenkandidaten Stärker lag Weidenbusch schon länger über Kreuz. Unserer Redaktion liegt ein Schreiben Stärkers an Weidenbusch vom Juli 2023 vor, in dem er sich über eine vom BJV eingereichte Klage gegen das Landratsamt Oberallgäu beschwert. Dabei ging es um die Schonzeit für bestimmte Rotwildarten. „Eine derartige Klage zeigt eindeutig, dass der von Ihnen geführte Verband keinerlei Bezug mehr zu den Bedürfnissen seiner Mitglieder hat.“ Mehr noch, Weidenbusch fehle es schlicht an Wissen, kritisierte Stärker damals.

Unmittelbar vor der Wahl hatte zudem der Bund Bayerischer Jagdaufseher Weidenbusch in einer internen Mitteilung an seine Mitglieder Manipulationen vorgeworfen. Dabei ging es um Stimmrechte, die dem Bund der Jagdaufseher als kooptiertes Mitglied im Jagdverband zustehen. Nachdem sich die Jagdaufseher nach einer Vorstellungsrunde für Stärker ausgesprochen hatten, soll Weidenbusch die Stimmrechte von zehn auf eine Stimme reduziert haben – ein „Beschluss in letzter Minute“, wie es heißt. Als Konsequenz kündigte der Vorsitzende der Gruppe, Alexander Graf von Gneisenau, an: „Wir werden unserer Verwunderung auch gegenüber Dritten Ausdruck verleihen und jetzt auch aktiv Hubert Stärker bei der Wahl unterstützen.“ Weidenbusch reagierte gestern nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung.

Am Tag nach der Wahl, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatte, kündigt Hubert Stärker im Gespräch mit unserer Zeitung an, den Verband nun innen wie außen befrieden zu wollen. Der BJV müsse sich als Dienstleister für die Kreisgruppen verstehen. Und mit sachlich und fachlich fundierter Stimme sowie ohne Polemik mit Politik, Behörden und anderen Verbänden sprechen. Dass der Jägertag weitgehend ohne Öffentlichkeit stattfand, hält Stärker für einen Fehler. „Das schadet nur dem Ansehen der Jägerschaft.“

Der aus Augsburg stammende Stärker ist 48 Jahre alt, verheiratet, Vater von drei Kindern – und „Jäger durch und durch“, wie er selbst sagt. Schon als Bub habe er die Jagd kennengelernt, mit 18 machte er den Jagdschein. Er führt einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit Teichwirtschaft in Bayerisch-Schwaben. Deshalb sei es ihm ein Anliegen, sich konstruktiv mit Landwirten und Waldbesitzern auszutauschen. In der Vergangenheit gab es mit diesen Interessensgruppen immer wieder Dissens – etwa um die Frage, ob die Jäger genug Wild schießen.

Für seinen Wahlkampf sei er vorab 4000 Kilometer durch Bayern getourt, sagt Stärker. Am Ende gelang es ihm, die Delegierten von einem Machtwechsel an der Verbandsspitze zu überzeugen – wenn auch mit knapper Mehrheit. Als Vizepräsidenten wurden Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg (Oberpfalz), Sebastian Ziegler (Mittelfranken) und – neu im Team – Thomas Bär (Garmisch-Partenkirchen) gewählt. „Ein gutes Team“, wie der neu gewählte Stärker sagt. Jetzt gehe es auch darum, neue Mitglieder für den Verband zu gewinnen.DG/DW

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