Der Druck im Speckgürtel lässt nach

von Redaktion

Bayern wächst bis 2044, aber nicht mehr so stark – Schwaben legt am meisten zu

Prognose für 2044: Der Speckgürtel um München herum wächst nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit.

München – Der Speckgürtel ist nicht mehr orange. Jedes Frühjahr veröffentlicht Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Bevölkerungsvorausberechnung, also die Statistik der Zukunft: Wie viele Menschen werden in Bayern leben, wie alt sind sie im Durchschnitt? Noch vor wenigen Jahren war der Speckgürtel um München herum überwiegend dunkelorange – die Farbe für starkes Wachstum. Doch offenbar nimmt bis 2044 der Druck ab. Die München-nahen Landkreise Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg, München, Miesbach oder Bad Tölz-Wolfratshausen erwarten mit Veränderungen zwischen -2,5 bis unter +2,5 Prozent im Vergleich zu 2024 eine eher stabile Bevölkerungsentwicklung – in der aktuellen Grafik sind sie hellgelb eingefärbt.

Im Freistaat wird sich die Zahl der Menschen von 13,25 Millionen im Jahr 2024 auf 13,53 Millionen in 2044 erhöhen, sagte Herrmann in Fürth – ein Plus von 2,1 Prozent. Voriges Jahr lag die Prognose für 2043 bei einem Plus von 4,3 Prozent. Herrmann nannte den Arbeitsmarkt und die Kriminalitätsrate als Standortvorteile. Allerdings reichen die Geburten nicht aus, um die Todesfälle auszugleichen. Ohne Zuzüge würde Bayern bis 2044 mehr als sechs Prozent seiner Bevölkerung verlieren. „Seit vielen Jahren kommen erheblich mehr Menschen nach Bayern, als von hier wegziehen“, sagte der Minister. Der Großteil stamme aus dem Ausland.

Der Bevölkerungszuwachs konzentriert sich vor allem auf den Süden des Freistaats. Die Regierungsbezirke Schwaben, Niederbayern und Oberbayern wachsen deutlich. Allein in München geht es um 4,7 Prozent nach oben, auf 1,58 Millionen Menschen im Jahr 2044, der Landkreis Erding gewinnt 4,9 Prozent. Mittelfranken und Oberpfalz erwarten leichte Zugewinne. In Unterfranken und Oberfranken geht die Bevölkerungszahl zurück – jedoch längst nicht mehr so stark, wie noch vor zehn Jahren befürchtet.

Das gibt etwa dem Landkreis Kronach Hoffnung. Die Bevölkerung soll dort zwar bis 2044 um 8,5 Prozent schrumpfen. „Wir hatten aber auch schon Prognosen über ein Minus von 10 Prozent“, sagt ein Sprecher. Die Entwicklung zeige, dass die Bemühungen des Landkreises wirken: Man hat den Lucas-Cranach-Campus angesiedelt, wo 500 Studenten eingeschrieben sind. Eine für die Wirtschaft wichtige Bundesstraße wurde vierspurig ausgebaut. Das Berufsschulzentrum wird für 70 Millionen Euro neu gebaut. Und ab dem Semester 2030/31 werden 400 junge Finanzbeamte nicht mehr an der Hochschule in Herrsching (Kreis Starnberg) unterrichtet, sondern in Kronach. Auch auf die zunehmend ältere Bevölkerung stelle man sich ein, zum Beispiel durch ein Kompetenzzentrum für Pflege.

Nicht nur die Oberfranken, auch die Bayern insgesamt werden nämlich älter – im Schnitt um 1,7 Jahre bis 2044. Derzeit liegt das Durchschnittsalter bei 44,3, in 20 Jahren voraussichtlich bei 46. Von dieser Tendenz sind alle Regierungsbezirke, kreisfreien Städte und Landkreise betroffen. In der Gruppe 67 plus waren 2024 noch 2,51 Millionen Menschen. Binnen 20 Jahren werden das 3,2 Millionen Menschen sein. Die Zahl der unter 20-Jährigen wird um 38.000 zurückgehen. Die Zahl der Kinder unter sechs sinkt bis 2029 sogar um 61.000 auf 688.000 Kinder, bevor sie sich in den Jahren danach wieder etwas erholt. Die Betreuungssituation in den Kitas dürfte sich Herrmanns Einschätzung zufolge entspannen.

Es gibt aber auch Kommunen, denen ein Boom bevorsteht. Von den Bezirken wächst Schwaben am stärksten, das führen die Statistiker auf die „voraussichtlich anhaltend hohen Wanderungsgewinne“ zurück. Starke Zuwächse werden für den Kreis Unterallgäu (+8,6 Prozent) und die Städte Memmingen (+7,5) und Kaufbeuren (+8,0) vorausberechnet. Oberbürgermeister Stefan Bosse führt das Wachstum in Kaufbeuren auf die hohen Geburtenzahlen, die Zuwanderung und die Nähe zu München zurück. Die Zahlen, sagt der CSU-Politiker, spiegeln die Attraktivität der Stadt wider.CAZ/DPA

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