Jägerchef für die „konservative Mitte“

von Redaktion

Wie der Augsburger Unternehmer Hubert Stärker den zerstrittenen Verband einen will

Steht für „Wald mit Wild“: der neue Jagdpräsident Hubert Stärker vor einer ausgestopften Gams vor der Landesgeschäftsstelle. © Michaela Hartmann

Feldkirchen – Nach Jahren des Streits möchte der neue Jägerchef Hubert Stärker den Verband zusammenführen. „Ich freue mich wahnsinnig auf meine Aufgabe“, es gebe „viel zu tun, das ist klar“, sagte der 48-Jährige, der am Samstag beim Landesjägertag in Straubing in einer Kampfkandidatur den amtierenden Präsidenten Ernst Weidenbusch (62) gestürzt hatte. Die Entscheidung war denkbar knapp – 354 Delegierte sprachen sich gleich im ersten Wahlgang für Stärker aus, 316 für Weidenbusch, dazu kamen einige Enthaltungen und ungültige Stimmzettel. Im Endeffekt waren das 51,68 Prozent für Stärker, der damit Weidenbusch nach sechs Jahren ablöst.

Nachdem die Wahl nicht-öffentlich stattgefunden hatte, stellte sich Stärker am Montag in der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Jagdverbands in Feldkirchen (Kreis München) vor. Er habe sich als Jäger (mit Jagdrevieren bei Augsburg und im südlichen Oberallgäu) nicht mehr repräsentiert gefühlt, das sei das Motiv für die Kandidatur gewesen. Stärker versprach, mehr auf die ehrenamtlich tätigen Mitglieder zuzugehen und die Kommunikation mit den Kreisgruppen zu stärken. Das dort vorhandene Wissen „muss nach oben getragen werden“. Er stehe dabei „für die konservative Mitte“, er wolle „keine Extreme links oder rechts“. Er habe (im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der CSU-Abgeordneter war) auch kein Parteibuch, „das ist auch ein Vorteil für mich“.

Der 48-Jährige wohnt in Augsburg, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Als Diplom-Kaufmann führt er einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb. Er stammt aus einer einflussreichen Unternehmerfamilie – sein Vater Hubert Stärker (1936–2021) war Geschäftsführer eines auf Abgas-Anlagen spezialisierten Unternehmens und viele Jahre Chef der bayerischen Metall-Arbeitgeber. Zudem war er Jäger und saß im BJV-Landesausschuss.

Sein Sohn dürfte jetzt eigene Akzente setzen – welche, wurde am Montag nur in Ansätzen deutlich. Stärker sagte, er stehe für den Grundsatz „Wald mit Wild“. Er sei für „angepasste Wildbestände“, sehe aber nicht, dass der Wildverbiss in Bayern flächendeckend zu hoch sei. Offiziell verfolgt die Staatsregierung den Grundsatz „Wald vor Wild“ – schon Weidenbuschs Vorgänger wollte dieses Credo kippen. Beim Rotwild sprach sich Stärker für die umstrittenen Rotwild-Korridore aus. Einzelne Reviere zu vernetzen, sei „für den genetischen Austausch extrem wichtig“. Das würde freilich potenziell mehr Rotwild in den Wäldern und wohl auch mehr Wildverbiss bedeuten. Stärker sagte auf Nachfrage aber auch, er werde dem Bund Naturschutz ein Gespräch anbieten.

Sein Vorgänger Ernst Weidenbusch war beim ersten Auftritt am Montag in der Landesgeschäftsstelle schon nicht mehr zugegen. Er nehme die Niederlage „persönlich entspannt“ auf, sagte er gegenüber unserer Zeitung, und bleibe sowohl Vorsitzender des BJV-Jagdclubs als auch Mitglied im Verband. Er habe in Straubing für seine Linie als „Anwalt des Wildes“ geworben und sei knapp unterlegen. Manipulationsabsichten, wie sie der Bund Bayerischer Jagdaufseher vor der Wahl erhoben hatte, wies Weidenbusch strikt zurück. Dieser Vorwurf sei „ehrenrührig“. Der Vorsitzende der Gruppe, Alexander Graf von Geneisenau, hatte behauptet, die Stimmrechte, die seinem Verband als kooptiertem Mitglied zustehen, seien auf Betreiben von Weidenbusch von zehn auf eine Stimme reduziert worden. Demgegenüber erklärte Weidenbusch, der Verband habe stark überhöhte Mitgliederzahlen (930 statt tatsächlicher 438) gemeldet. Daraufhin sei mit Präsidiumsbeschluss die Stimmenzahl angepasst worden.DIRK WALTER

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