Die Liste der Enttäuschten

von Redaktion

Wiesn-Entscheidung im Stadtrat: Wer heuer leer ausgeht

Isarthor-Wirt Zitzelsberger bleibt zeltlos. © Jens Hartmann

Fliegt von der Wiesn: Das „Lach+Freu-Haus“. © Sigi Jantz

München – Die Wiesn ist nicht für alle ein Fest. Am 11. Mai entscheidet der Stadtrat, wer aufs Oktoberfest darf – und wer nicht. Wer sich vergrößern oder etwas anderes ausschenken darf – und wer eben nicht. Die Liste der Gewinner ist lang. Die der Enttäuschten noch viel länger.

Einer, der leer ausgeht, ist Krinoline-Betreiber Matthias Niederländer. Laut Stadtratsvorlage (liegt unserer Zeitung vor) wollte er sein traditionelles Fahrgeschäft um eine Sektbar erweitern. Grund: Laut Niederländer ist die Krinoline allein „finanziell nicht mehr tragfähig“, steht in der Vorlage. Die Sektbar sei deshalb nötig, um „den Fortbestand der Krinoline zu sichern“. Der interfraktionelle Arbeitskreis zum Oktoberfest hat es in einer Sitzung vor Wochen trotzdem nicht erlaubt – der Ausschuss wird es höchstwahrscheinlich auch nicht tun. So schlimm sei die finanzielle Lage nicht, befanden die Stadträte.

Gastro-Angebote sind in traditionellen Fahrgeschäften nicht gern gesehen: „Mehr Gastronomie, vor allem mit Alkoholausschank, lässt auch einen Rückgang von Familien mit Kindern befürchten“, heißt es in der Vorlage. „Die Schaffung eines Ungleichgewichtes zwischen Schaustellerei und Gastronomie ist zu befürchten.“

Auch das Wirtspaar Alexander Egger und Kathrin Wickenhäuser-Egger muss kleinere Brötchen backen. Die Betreiber des kleinen Zelts Münchner Stubn (440 Plätze) wollten den Platz der Schützenlisl auf der Oidn Wiesn – vergeblich. Auch ein großes Zelt bekamen sie nicht. Ihr aufsehenerregender Antrag auf Nachprüfung der Zeltvergabe bei der Regierung von Oberbayern läuft noch (wir berichteten). Dazu lehnt die Stadt in ihrer Vorlage einen 190-Plätze-Biergarten samt Außenbar für die Münchner Stubn ab – aus Brandschutzgründen.

Weißbier-Sperre in Bodo‘s Café Zelt: Wirt Otto Lindinger wollte es erstmals dort ausschenken, um den Umsatz anzukurbeln – „im Sinne einer Gleichbehandlung aller ‚kleinen‘ Wirtinnen und Wirte und auf vielfachen Wunsch von Wirtinnen und Wirten und Gästen“, wie es in der Vorlage heißt. Nix da, sagt die Stadt. Das widerspreche dem „typischen Charakter eines Cafézeltes“, außerdem solle es nicht überall auf der Wiesn-Bier geben. Die Stadt befürchtet zudem, dass zum Weißbier herzhafte Brotzeiten angeboten würden – und sich am Ende „alle gastronomischen Mittelbetriebe immer mehr angleichen“.

Robert Zitzelsberger vom Gasthaus Isarthor wollte die Schützenlisl, bekam aber nicht die nötigen Punkte. Auch Gerda Reichert (Ex-Wirtin der „Schönheitskönigin“) soll laut Wirtschaftsreferat abgelehnt werden.

Bei den Schaugeschäften hat heuer das „Lach+Freu-Haus“ der Gebrüder Boos aus Magdeburg (Sachsen-Anhalt) nichts zu lachen. 2025 waren sie noch mit ihrem schaukelnden Haus samt „verrücktem Springbrunnen“ und „total verrückter Scheune“ auf der Wiesn vertreten. Nun das Aus.

Auch nicht dabei ist die Münchner Gin-Destillerie „The Duke“. Gründer Maximilian von Pückler wollte seinen hopfigen Schnaps samt Cocktails und Longdrinks auf der Wiesn in einem Stehausschank verkaufen – erhielt aber nicht die nötigen Punkte.THOMAS GAUTIER

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