Radikal kontrolliert

von Redaktion

Jagd auf die Radl-Rambos – 50 Polizisten in der ganzen Stadt im Einsatz

Die Polizei kontrollierte gestern an über zehn Stellen Radler in der Stadt. Insgesamt 50 Beamte waren dabei im Einsatz. © Marcus Schlaf

Stopp, absteigen! Gestern früh gab es für Münchner Radler, E-Scooter- und Motorradfahrer eine unliebsame Überraschung – bei der Schwerpunktkontrollaktion der Münchner Verkehrspolizei. Vor allem die Radl-Rambos gerieten dabei ins Visier. Sie erwartet jetzt ein Bußgeld und eventuell sogar ein Punkt in Flensburg.

Über 50 Beamte lauerten von 7 bis 13 Uhr an über zehn Kontrollstellen in der Stadt auf Verkehrssünder, etwa in der Kreillerstraße, der Paul-Heyse-Straße oder der Thomas-Dehler-Straße. Besonders oft geahndet: Rotlichtverstöße, Fahren gegen die Fahrtrichtung sowie Handy in der Hand oder am Ohr. Aber auch Autofahrer, die auf Radwegen parken, oder Lkw-Fahrer, die zu schnell abbiegen und damit Radler gefährden, wurden angehalten. „Radfahrer sind sich der Verstöße manchmal gar nicht bewusst“, sagt Polizeisprecherin Nicole Langraf. Ihnen sei etwa nicht klar, dass Autofahrer sie leicht übersehen können, wenn sie auf der falschen Seite radeln und dann die Fahrbahn überqueren. „Manche wissen beispielsweise auch nicht, dass ihnen auch ein Punkt droht, wenn sie über Rot fahren.“ Viele Radfahrer hätten sich einsichtig gezeigt. Die Zahlen, wie viele und welche Verstöße insgesamt vorlagen, liegen erst heute vor, da die Aktion bayernweit über das Innenministerium koordiniert wurde.

Besonders brenzlig wird es für die Münchner an folgenden Brennpunkten: Die Kreuzung Nymphenburger Straße/Landshuter Allee ist laut Statistischem Amt vor allem für Fußgänger gefährlich (27 Unfälle mit Fußgängern 2024). Radfahrer verunglücken oft auf der Kapuzinerstraße und der Wittelsbacherbrücke (39 Rad-Unfälle), und Autofahrer auf der Bayerstraße zwischen Goethe- und Paul-Heyse-Straße (30 Unfälle).

Dass der Kampf gegen Verkehrsrowdys – egal, ob Zweirad- oder Vierradfahrer – nötig ist, zeigt die Statistik. Im Jahr 2025 gab es in München und im Landkreis laut Polizei mit 31 Verkehrstoten so viele wie seit 18 Jahren nicht mehr. Die Zunahme liegt zum einen an der allgemeinen Zunahme an Verkehrsteilnehmern. Aber der Verkehr wird auch immer unübersichtlicher, etwa durch Pedelecs oder Elektroroller. Drei Verkehrstote standen in Zusammenhang mit missachteten roten Ampeln. Die Polizei bekomme den Eindruck, dass für viele Autofahrer „Rotlicht nur einen Empfehlungscharakter hat“, so Christian Huber, Polizei-Vize, bei der Vorstellung der Verkehrsstatistik im März.

Und das Statistische Bundesamt gab jetzt bekannt: Nachdem 2024 deutschlandweit noch 445 Radler ums Leben kamen, waren es 2025 mit 462 rund vier Prozent mehr. Damit wächst die Zahl der getöteten Radfahrer doppelt so schnell wie die Gesamtzahl der im Straßenverkehr Getöteten.NINA BAUTZ, LUIS WAHLS

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