Demo legt den Brenner lahm

von Redaktion

Vollsperrung am 30. Mai – Landesregierung warnt: „Umfahren Sie Tirol“

Nadelöhr: die Luegbrücke bei Gries am Brenner, hier noch vor Beginn der Baurarbeiten. © Marcus Schlaf

München/Innsbruck – Chaos mit Ansage: Am 30. Mai, einem Samstag mitten in den Pfingstferien, wird die Autofahrt von und nach Südtirol kaum möglich sein. Wegen einer Demo ist von 11 bis 19 Uhr die Brennerautobahn zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brenner in beiden Fahrtrichtungen gesperrt, warnt das Land Tirol. Lkw über 7,5 Tonnen werden schon ab 9 Uhr gestoppt.

„Ein Verkehrschaos ist programmiert“, prophezeit der ADAC. „Umfahren Sie Tirol an diesem Tag großräumig“, appelliert das Land Tirol. Am 30. Mai ist Bettenwechsel, 32.000 Fahrzeuge, darunter tausende Urlauber, fahren an diesem Tag normalerweise nach Südtirol oder zum Gardasee – oder von dort zurück. Das wird nun kaum möglich sein. Auch die Brenner-Bundesstraße wird gesperrt. Nur Ziel- und Quellverkehr darf durch – für Fahrten ins Wipptal, Gschnitztal, Navistal, Schirntal und Valsertal. „Also wenn man etwa im Wipptal wohnt oder in ein Hotel ins Gschnitztal fährt“, erklärt Bernhard Knapp. Leiter der Tiroler Verkehrsabteilung.

Der Verursacher der Misere lässt sich konkret benennen: Karl Mühlsteiger (49), Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner (1200 Einwohner), hat auf einem Parkplatz der Brennerautobahn nahe der Anschlussstelle Matrei eine Demonstration angemeldet. Wie viele kommen werden? Tausend, vielleicht 2000, er wisse es nicht, sagt Mühlsteiger. Es ist ein bisschen wie der Kampf David gegen Goliath: Seit Jahren kämpft die kleine Gemeinde gegen die Autobahngesellschaft Asfinag und gegen den Neubau der baufälligen Luegbrücke, einem 1,8 Kilometer langen Beton-Monstrum oberhalb der Gemeinde. Doch vergebens: Der Neubau der Brücke – parallel zur alten – ist längst im Gange, jeder Autofahrer sieht beim Vorbeifahren etliche Baukräne, die längs der Brücke in den Himmel ragen. Mühlsteiger hatte dafür geworben, dass die neue Luegbrücke zum Luegtunnel wird – die Brennerautobahn an dieser Stelle also im Berg verschwindet. „Der Zug ist leider abgefahren“, sagt er. Jetzt will er zumindest Lärmschutzwände auf der Talseite der Brücke und eine Einhausung der Brennerautobahn an mehreren Abschnitten. Die Asfinag lehne alles ab. Er wundere sich schon über „diese Hysterie wegen der paar Stunden“, sagte Mühlsteiger unserer Zeitung. „Da samma eh sehr human.“ Er habe eine kürzere Sperrung beantragt – und auch nicht für die Brenner-Bundesstraße.

Eigentlich war die Demo schon im Oktober angesetzt, sie wurde jedoch von Gerichten zunächst untersagt – und jetzt vom Bezirk Innsbruck-Land doch erlaubt. Das Recht auf Versammlungsfreiheit gebe kein Verbot her, heißt es. Die Reaktionen sind einhellig: Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, Südtirols Regierungschef Arno Kompatscher, Wirtschaftsverbände, der Hoteliers- und Gastwirteverband – alle warnen vor einem Verkehrskollaps. „Ich finde es höchst zweifelhaft, dass man so eine wichtige Verkehrsachse so lange Zeit dicht macht“, sagt Alexander Greipl vom ADAC.

ADAC rät von allen Schleichwegen ab

Für ganz schlaue Autofahrer, die jetzt nach einem Schleichweg suchen, hat Greipl einen Rat: Lasst es sein! „Man kann allen nur raten, den Urlaub um einen Tag zu verlängern oder zu verkürzen.“ Die Ausweichroute über den Reschenpass mit Zufahrt nach Südtirol über Meran werde er „auf keinen Fall empfehlen“: Die einspurige Straße sei kurvig und führe bergauf, das werde „chaotische Zustände“ geben. Ähnlich sei es bei der Ausweichroute über den Felbertauerntunnel. Auch die weiträumige Umfahrung über die Tauernautobahn sei nicht empfehlenswert. „Die ist an diesem Wochenende wegen der Kroatienurlauber ohnehin stark befahren.“ Und einfach früher losfahren, sodass man um 11 Uhr schon am Nadelöhr Brenner durch ist? „Auch das ist unkalkulierbar“, warnt der ADAC-Sprecher. „Wenn‘s blöd läuft, schaffen Sie es nicht und stehen dann acht Stunden auf der Autobahn.“DIRK WALTER

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