Die neue Freisinger Landrätin: Susanne Hoyer war bereits Bürgermeisterin, ihr neues Amt ist Neuland für sie. © Privat
Freising/Inning – Julian Reil ist aufgeregt. Das sagt er ganz offen. Ab diesem Freitag ist der 26-Jährige offiziell Bürgermeister der Gemeinde Inning am Holz im Kreis Erding. Wegen des Feiertags wird sein erster Arbeitstag allerdings erst Montag sein. Der Terminkalender ist für diesen Tag noch angenehm leer, Reil will erst mal viele Gespräche führen, sich überall vorstellen. Bei den Rathausmitarbeitern, in den Schulen und Kindergärten, bei den Gewerbetreibenden im Ort. Schon im Vorfeld hat er viele Gespräche geführt. Mit dem Landrat, den Gemeinderäten und vor allem mit seiner Amtsvorgängerin Michaela Mühlen, die nicht mehr kandidiert hatte. Reil war für das Bürgerforum angetreten und hatte keinen Gegenkandidaten. Er holte 92,5 Prozent der Stimmen.
Er freut sich auf seine neue Aufgabe – hat aber auch viel Respekt davor. Deshalb hat er sich für ein Seminar beim Bayerischen Gemeindetag angemeldet, das im Juli stattfinden wird. Die Seminare sind dieser Tage stark nachgefragt, circa 850 der 2031 Bürgermeister in Bayern sind bei der Kommunalwahl neu ins Amt gelangt, sagt Matthias Simon, Pressesprecher des Gemeindetags. Hinzu kommen etliche tausend neue Gemeinde- und Städträte, deren sechsjährige Amtszeit an diesem 1. Mai offiziell beginnt. Für sie bietet das Bayerische Selbstverwaltungskolleg Schulungen an. Simon, Jurist und Baurechts-Spezialist, ist selbst bei den Bürgermeister-Seminaren zugegen. In der Regel sind es dreitägige Veranstaltungen mit sieben Fächern: Neben Baurecht stehen für die Neulinge Finanzangelegenheiten, Kindergarten-/Grundschul-Fragen, Kommunalwahlrecht und Sitzungsleitung sowie Personalführung auf dem Stundenplan.
Für eine Fortbildung im klassischen Sinn mit Seminarbesuch hatte Susanne Hoyer, 48, keine Zeit, wie sie sagt. Die bisherige Bürgermeisterin der Gemeinde Langenbach ist ab 1. Mai neue Landrätin im Landkreis Freising. Direkt am 1. Mai geht es los – erster Termin der neuen Landrätin ist ein Grußwort bei der DGB-Maikundgebung in Freising.
Die CSU-Politikerin hatte in der Stichwahl Amtsinhaber Helmut Petz (FW) bezwungen. In ihr neues Amt müsse sie sich „erst reinfühlen“, bekennt sie. Einiges sei Neuland, etwa die Problemlagen im Jugendamt oder der Katastrophenschutz – „wobei ich da als Bürgermeisterin auch schon etwas angedockt war“. Anderes ist der Juristin seit eh und je wohl vertraut, etwa Bau-Sachen. Wenn man so will, wird die Flughafen-Region künftig von zwei Frauen repräsentiert, denn auch im Rathaus der Domstadt regiert künftig eine Frau: Monika Schwind von der CSU-Abspaltung „Freisinger Mitte“ folgt auf Tobias Eschenbacher, der nicht mehr angetreten war. „Wir werden ein starkes Duo“, sagt Susanne Hoyer. Der Hinweis auf die weibliche Doppel-Herrschaft ist keine bloße Rhetorik – „Frauen führen anders“, sagt die designierte Landrätin, die als Bürgermeisterin beim Bayerischen Gemeindetag Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft „Frauen führen Kommunen“ war. Auf Nachgiebigkeit braucht auch der Flughafen nicht zu hoffen: Susanne Hoyer bezeichnet sich als Startbahn-Gegnerin der ersten Stunde: „Ich war schon auf der Anti-Startbahn-Demo, da saß meine Tochter Julia (heute 22) noch im Kinderwagen.“ Mit ihr sei „eine 3. Startbahn nicht zu machen, das weiß das Flughafen-Management auch“.
Sein Alltag wird sich komplett ändern, ist Julian Reil aus Inning überzeugt. Der volle Kalender, die vielen Abendtermine – das werde wohl die größte Umstellung. Bisher hat er als Groß- und Außenhandelskaufmann gearbeitet. Ab Mai wird er in seinem Betrieb nur noch in Teilzeit arbeiten. Das hat er in den vergangenen Wochen vorbereitet. Und dann noch einmal für ein langes Wochenende Urlaub gemacht, um Kraft zu tanken, verrät er. Jetzt freut er sich darauf, dass es endlich losgeht.DIRK WALTER KATRIN WOITSCH