DAS PORTRÄT

50 Jahre im Dienst der Gemeinde

von Redaktion

Renate von Fraunberg aus Seeshaupt. © epd

Die Sache mit den Lamas und dem Blumenschmuck ist typisch für Renate von Fraunberg: Weil ihre Nachbarn die zwei Tiere umsonst auf der Gemeindewiese grasen lassen dürfen, bekommt die 78-jährige Mesnerin aus Seeshaupt im Kreis Weilheim-Schongau jeden zweiten Samstag einen Riesenkübel Blumen aus deren Laden. Seit 50 Jahren ist von Fraunberg die Mesnerin des evangelischen Kirchleins von Seeshaupt. Alle zwei Wochen findet hier im weiß gekalkten Raum mit den kleinen Rundbogenfenstern um neun Uhr der Sonntagsgottesdienst statt. Die junge Landschaftsarchitektin und ihr Mann – dessen Urahn Graf Ladislaus von Fraunberg 1558 im oberbayerischen Haag die Religionsfreiheit eingeführt hatte – hatten 1976 von der freien Stelle gehört und sich gleich in das zugehörige Mesnerhäuschen verliebt. „Obwohl wir als 68er mit Kirche nicht viel zu tun hatten“, erinnert von Fraunberg. Die Eheleute bekamen den Zuschlag für die mietfreie kleine Wohnung im Gegenzug für die Mesnerdienste. „Wir sind dadurch hineingewachsen, in den Ort und in den Glauben“, sagt von Fraunberg. Schon bald sei ihr der Gottesdienst wichtig geworden: „Man muss eine Stunde still sitzen, kann sich nicht unterhalten, muss zuhören – und dann fängt in einem etwas an zu klingen.“

Mit den Jahren wurde von Fraunberg zu einer Instanz im Dorf. Richtung Muttergemeinde in Penzberg fungierte sie als Vermittlerin, in Seeshaupt erfüllte sie neben dem Mesneramt die Rolle der evangelischen Ansprechpartnerin. Ihre guten Kontakte im Ort sowie die Wertschätzung, die man der emsigen Mesnerin für ihre Arbeit entgegenbrachte, ermöglichten zahlreiche Projekte wie die Open-Air-Andachtsreihe am Seeufer. Es ist ein prall gefülltes Leben voller Ideen und Tatkraft.SUSANNE SCHRÖDER

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