Martina Schwarzmann ist am liebsten draußen, wenn sie nicht auf der Bühne steht. © G. Wiebe
Martina Schwarzmann hat drei Töchter und einen Sohn. Als Kabarettistin steht die 47-Jährige aus Überacker im Kreis Fürstenfeldbruck auf der Bühne, daheim beseitigt sie wie jede andere Mutter Tag für Tag das „gröbste Chaos“. Die Familie kommt oft in ihren Texten vor – humorvoll, authentisch, aber nie verletzend. Was aus dem Alltag verraten werden darf, wird vorher besprochen.
Sie haben drei Geschwister. Wollten Sie selbst immer eine große Familie?
Ja, ich wollte auf alle Fälle viele Kinder und ich finde vier ideal. Die Zeit vergeht so schnell. Kaum ist man in einer Phase der Entwicklung so richtig angekommen, ist sie auch schon wieder vorbei. Mit dem Altersabstand von zehn Jahren vom ältesten zum jüngsten ist das bei uns perfekt verteilt.
Sie wurden mit Preisen überhäuft. Bewahrt es vor dem Abheben, wenn man daheim nur die Mama ist?
Die Familie erdet mich. Mein Privatleben nimmt viel mehr Raum ein als das, was ich beruflich mache. Ich glaube, dass es einem guttut, nicht dauernd um sich selbst zu kreisen.
Hatten Sie schon als Kind das Potenzial, Ihr Umfeld zu unterhalten?
Mir wurde früh prophezeit, dass ich mal Komikerin werde. Auch wenn es unhöflich war, konnte ich Kommentare oft nicht zurückhalten. Als ich fünf war, hat ein Lehrer, der schon meinen Papa unterrichtet hat, zu mir gesagt: „Wenn du mal in die Schule kommst, kriegst du vielleicht mich.“ Ich wusste, dass er sehr streng war. Da habe ich geantwortet: „Da bleibe ich dann lieber sitzen.“
Haben Sie Erziehungsratgeber gewälzt oder setzen Sie auf das Konzept Freestyle?
Was einen früher selbst genervt hat, das will man bei den eigenen Kindern besser machen. Und die werden es dann auch wieder so halten. Ich musste immer um 20 Uhr ins Bett und meine Eltern haben ferngesehen. Da liegt man dann im Bett und hat das Gefühl, etwas zu verpassen. Wir sehen gar nicht fern, lesen aber jeden Abend gemeinsam eine Stunde lang. Meine Kinder gehen viel lieber ins Bett als ich früher, weil diese gemeinsame Zeit so schön ist.
Sind Sie eine coole Mutter?
Die Kleinen finden mich noch gut, die Großen finden mich spießig. Etwa wenn ich finde, dass sie nicht so viel am Computer spielen oder nicht rauchen sollen. Und wenn ich sage, dass sie nicht ohne Helm radeln sollen, bin ich die Oberspießerin.
Sie wirken, als könnte Sie nichts aus der Ruhe bringen.
Es hilft, wenn man nicht an Perfektionismus leidet. Das zieht sich bei mir durch alle Lebensbereiche. Ich mache alles so, wie ich es schaffe – und mehr halt nicht. Wenn jemand einen Teller runterschmeißt, brülle ich nicht. Der liegt eh schon.
Wer Kinder hat, kommt mit anderen Eltern in Kontakt. Da ist wohl viel Stoff für die Bühne dabei…
In WhatsApp-Gruppen lernt man Eltern ganz anders kennen als im direkten Gespräch. Ich halte mich fein raus und beobachte genau. Wenn ich beim St.-Martinsumzug in der Kirche sitze und hinter mir eine Unterhaltung über Wimpern-Extensions läuft, ist das auf alle Fälle eine Inspirationsquelle.
Sind Ihre Kinder sauer, wenn Sie auf der Bühne aus dem Nähkästchen plaudern?
Die Kinder wissen, welche Geschichte wem zuzuordnen ist. Und sie genießen ihr Insiderwissen. Ich bespreche mit der Familie vorab, welche Anekdoten ich verwenden darf.
Was tun Sie, wenn es eines Ihrer Kinder auch mal auf die Bühne zieht?
Ich unterstütze alles, was meine Kinder machen wollen. Ich weiß, dass alles gut werden kann, wenn man es gerne macht – egal wie exotisch es für Außenstehende ausschaut.
Ernährung spielt in Ihrem Leben eine große Rolle. Sie haben in Ihrem Wohnort Altomünster einen Naschweg initiiert, auf dem Passanten Obst und Kräuter probieren können.
Wir haben im Garten etwa zwei Mandelbäume, Kiwis und zehn verschiedene Pfirsicharten. Die meisten Hobbygärtner bleiben weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. In Österreich gibt es ein Projekt, das sich Essbare Gemeinde nennt. Bei sämtlichen Neuanpflanzungen auf Gemeindegebiet werden essbare Pflanzen gesetzt. Ein Pausenhof, der ein Naschparadies ist, ist doch toll! Und es macht nicht mehr Arbeit als Kirschlorbeer.
SABINE SCHWINDE
Aktuelle Tourtermine
Für ihr Programm „Martina Schwarzmann macht was sie will“ entführt einen die Kabarettistin mit trockenem Humor, großer Beobachtungsgabe und Selbstironie in ihre Welt zwischen Kinderchaos, Landidylle, Emanzipation und Alltagswahnsinn. Am 4. und 5. Mai (20 Uhr) gastiert Schwarzmann im Circus Krone. Am 6. Juni (20 Uhr) tritt sie im Taufkirchner Festzelt auf, am 22. Juni im Festzelt Obersöchering. Infos unter www.martina-schwarzmann.de