So kommt der Tankrabatt an

von Redaktion

Steuersenkung spürbar: Autofahrer und Betreiber sind erleichtert

Waltraud Nagell wünscht sich ein Umdenken.

Haben vollgetankt: Andree Mayer (li.) und Ingo Kunzi.

Natalie K. aus München fährt selten Auto, freut sich aber über die Ersparnis an der Zapfsäule. © Fotos: Mittermeier (4)

Andreas Zoch betreibt die Bavaria Petrol. Um 12 Uhr blieben die Preise erst mal gleich – das hat ihn selbst überrascht.

München – Freitag, 11.23 Uhr: Waltraud Nagell öffnet den Tankdeckel ihres roten Mitsubishi Plug-in-Hybrids, steckt die Zapfpistole hinein und lässt den Sprit fließen. 1,879 Euro kostet der Liter Super E10 an diesem Vormittag an der Bavaria Petrol in der Münchner Amalienburgstraße – so wenig wie seit Wochen nicht mehr. „Ich war bei der Gartenarbeit und bin schnell losgefahren“, erzählt die Psychoanalytikerin (67) aus München. Sie ist froh, dass der von der Bundesregierung beschlossene Tankrabatt Wirkung zeigt. Die Senkung der Mineralölsteuer um rund 17 Cent trat zum 1. Mai in Kraft.

Andreas Zoch betreibt die Tankstelle und ist froh über den Rabatt. Er betont, dass er als Betreiber nicht für die Preisgestaltung zuständig sei. Bavaria Petrol sitzt in Ottobrunn (Landkreis München). „Die Leute sind glücklich über den Rabatt und ich auch. Durch die hohen Spritkosten haben sie eben nicht mal noch eine Leberkässemmel oder etwas anderes bei uns gekauft, das hat natürlich für Umsatzeinbußen gesorgt.“

Waltraud Nagell erzählt, sie halte den Tankrabatt für falsch. „Weil wir uns nur weiterentwickeln können, wenn wir etwas an unserem Handeln verändern.“ Sie fahre im Alltag viel mit dem Radl oder der Bahn, für manches brauche sie aber ein Auto. Und freilich seien die explodierten Spritkosten eine Belastung für viele. „Aber ich glaube, das kann jetzt eine Chance sein, umzudenken. Damit wir von fossilen Energieträgern wegkommen.“ Sie bezahlt rund 60 Euro für etwa 32 Liter.

Hinter ihr und an den anderen Zapfsäulen warten schon die nächsten. Gegen 11.30 Uhr stauen sich die Autos über den Geh- und Radweg bis auf eine der vier Spuren der Amalienburgstraße. Auch Natalie K. aus München hat sich eingereiht – damit sie noch ihren Peugeot volltanken kann. Denn seit Kurzem dürfen Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich anheben, um 12 Uhr. „Ich bin immerhin nicht abhängig vom Auto“, sagt sie. „Aber für die Fahrt nach Stuttgart gleich nehme ich den Rabatt gerne mit.“

Um 11.46 Uhr klickt die Zapfpistole bei Ingo Kunzi (59). Sein schwarzer Seat ist vollgetankt, das macht 69 Euro. Der DJ aus dem Kreis Waiblingen fährt mit seinem Spezl Andree Mayer (57) zurück in die Heimat. „Wir mussten tanken und haben gar nicht auf den Preis geachtet“, erzählt Mayer und lacht. Er fahre jeden Tag Auto und könne es sich leisten, auch mal 40 Euro mehr für einen Tank zu bezahlen, sagt er. „Aber die Belastung für die Verbraucher zurzeit ist schon frech“, meint Ingo Kunzi. „Und was die hohen Spritpreise angeht, glaube ich, dass dahinter nicht nur die Sperrung der Straße von Hormus steckt.“

Kurz nach 12 Uhr ist die Schlange vor der Bavaria Petrol verschwunden. Nur zwei Autos werden getankt – dabei sind die Preise unverändert. Der Diesel blieb bei 1,969 Euro, Super bei 1,939 und Super E10 bei 1,879 Euro je Liter. Das überrascht Betreiber Andreas Zoch selbst.

Vielerorts in Deutschland zogen die Preise am Freitagmittag laut ADAC wieder an. Der Liter Super E10 verteuerte sich demnach nach 12 Uhr um 12,1 Cent auf 2,076 Euro, beim Diesel sprang der Preis um 13,3 Cent auf 2,177 Euro. R. MITTERMEIER

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