Hipp-Erpresser in Österreich gefasst

von Redaktion

Versetzt mit Rattengift: Ein manipuliertes Glas dieser Sorte soll noch in Österreich im Umlauf sein. © Tobias Steinmaurer/dpa

Salzburg/Pfaffenhofen a.d. Ilm – Im Fall der Erpressung des Babynahrungsherstellers Hipp ist am Samstag ein Verdächtiger in Salzburg gefasst worden. Es handele sich um einen 39-jährigen Mann, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Er wird derzeit befragt. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt stellte bereits einen Antrag auf Untersuchungshaft. Dem Verdächtigen werden in Österreich vorsätzliche Gemeingefährdung und versuchte absichtliche schwere Körperverletzung zur Last gelegt. In Deutschland ermittelt in dem Fall die Staatsanwaltschaft Ingolstadt.

„Hipp ist über diesen wichtigen Ermittlungsschritt sehr erleichtert und dankt den beteiligten Behörden für ihre engagierte Arbeit“, schrieb das Unternehmen mit Sitz im oberbayerischen Paffenhofen an der Ilm am Sonntag auf Anfrage unserer Zeitung.

Mitte April hatte ein Täter Babybrei mit Rattengift versetzt und mehrere Gläser in Supermärkten in Österreich, Tschechien und der Slowakei in Umlauf gebracht (wir berichteten).

Er soll zwei Millionen Euro in Kryptowährung gefordert haben, damit die manipulierten und gekennzeichneten Gläser aus den Regalen verschwinden. Bislang schweigt der mutmaßliche Erpresser zu den Vorwürfen.

Die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe „Soko Glas“ leitete den Zugriff. Auf die Spur des Verdächtigen kamen die Fahnder unter anderem durch digitale Hinweise aus seiner Erpresser-Mail sowie durch Aufnahmen aus der Videoüberwachung eines Supermarkts.

Insgesamt wurden fünf manipulierte Gläser sichergestellt, eines aus dem Burgenland galt bis Redaktionsschluss weiterhin als verschwunden. Unternehmenschef Stefan Hipp betonte gegenüber der „Kronen Zeitung“, oberste Priorität habe nun, auch dieses letzte Glas zu finden. Das deutsche Sortiment war nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen.

Die Behörden warnen weiterhin vor möglichen Gefahren. Nach Angaben der Ermittler waren die manipulierten Gläser am Boden mit einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis gekennzeichnet. Eltern sollten besonders auf unversehrte Verpackungen achten, etwa auf ein intaktes Vakuum und das typische „Plopp“-Geräusch beim Öffnen. Auch Gläser mit ungewöhnlichem Geruch sollten keinesfalls verwendet werden.

Mitte April hatte Hipp einen Rückruf von Babykostgläschen in Österreich gestartet. „Unmittelbar nach Kenntnisnahme haben wir sofort die zuständige Polizei und die Behörden informiert und einen internen Krisenstab eingerichtet“, schrieb das Unternehmen. Das Landeskriminalamt Burgenland hatte seit dem 16. April in einem Fall von manipulierter Babynahrung ermittelt, die in einem Spar-Supermarkt in Eisenstadt deponiert worden war.

Das Unternehmen schrieb auf seiner Homepage: „Aus Gründen der Vorsicht wird dringend davon abgeraten, entsprechende Produkte zu konsumieren.“ Die Gläschen hätten das Werk in einwandfreiem Zustand verlassen.

Es handle sich um eine kriminelle externe Manipulation außerhalb des Einflussbereiches des Unternehmens. Der Verzehr des Inhalts könnte lebensgefährlich sein. In dem Gläschen „Karotten mit Kartoffeln“, das in einem Supermarkt im burgenländischen Eisenstadt beschlagnahmt wurde, wiesen Ermittler 15 Mikrogramm Rattengift nach.

Immer wieder geraten große Handels- und Lebensmittelkonzerne ins Visier von Erpressern. So drohten Täter in Deutschland bereits Supermarktketten wie Kaufland und Lidl mit vergifteten Produkten.TSR

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