Pächterwechsel noch vor Pfingsten

von Redaktion

Rotwandhaus: Betreiber hatten Winter unterschätzt – DAV verhandelt mit neuem Wirt

Seit Juli 2025 Pächter: Patrick Rofaeil und Partnerin.

Das Rotwandhaus im Mangfall-Gebirge oberhalb des Spitzingsees. © Imago

Spitzingsee – Es ist genau ein Jahr her, dass das Geheimnis gelüftet wurde. Am 6. Mai 2025 stand in unserer Zeitung, dass Patrick Rofaeil und seine Partnerin Claudia das Rotwandhaus oberhalb des Spitzingsees übernehmen. Die Wiener Wirtsleute hatten viel Erfahrung zu bieten, der gelernte Koch hat gut 30 Jahre Gastronomie auf dem Buckel – und zwar auf der ganzen Welt. Doch seine Expertise aus Russland, Japan, Mallorca, den USA und Wien, wo er zuletzt eine Kantine auf einem Fußballplatz betrieben hatte, reichte offenbar nicht, um die Herausforderungen im Gebirge zu meistern. Nach nur einem Jahr zog die zuständige Alpenvereins-Sektion Turner Alpenkränzchen kurzfristig die Reißleine (wir berichteten).

„Wir haben nicht gestritten“, sagt Schatzmeister Anselm Greulich. „Aber wir haben ernste Worte gewechselt.“ Den regulären Kündigungstermin – zwischen Winter- und Sommersaison – hätten beide Seiten verstreichen lassen. Weil sich nun aber eine Alternative angeboten habe, habe man vonseiten des Alpenvereins die Gelegenheit wahrgenommen und die Zusammenarbeit beendet.

Das kommt überraschend. Der vorherige Pächter war fast vier Jahrzehnte auf dem Rotwandhaus. Und für Rofaeil ist nach einem Jahr schon Schluss? Hintergrund ist offenbar, dass die Wirtsleute unterschätzt haben, wie herausfordernd vor allem der Winterbetrieb in den Bergen ist. Laut Greulich war das Geschäft im Winter zwar vergleichbar mit dem in den Vorjahren: „Die Besucherzahlen waren in Ordnung.“ Aber die Wirtsleute hätten sich mehr erwartet. Möglicherweise haben sie auch unterschätzt, was es heißt, das Haus auf 1884 Metern zu betreiben. Dazu gehört etwa auch der Winterdienst, für den die Wirtsleute aber Unterstützung von Einheimischen bekommen hatten. Patrick Rofaeil wollte sich gestern auf Anfrage nicht äußern.

Offenbar war dem Alpenverein das Risiko, dass die Betreiber mitten in der Saison hinwerfen, zu groß. „Ich kann das Rotwandhaus nicht einfach zusperren, das hat Schutzhüttenstatus“, sagt Greulich. Verpflegung und Unterkunft müssten jederzeit gewährleistet sein. Jetzt soll es schnell gehen – die Verhandlungen mit dem neuen Betreiber seien „in den letzten Zügen“, sagt Schatzmeister Anselm Greulich. Noch verrät er keine Namen, der Interessent habe aber Erfahrung im Berggasthof-Bereich, und zwar in Österreich und Deutschland. Der Zeitplan ist eng: „In der Woche vor Pfingsten soll eine geordnete Übergabe stattfinden“, sagt Greulich. Die alten Pächter raus, der neue rein. Höchstens ein, zwei Tage soll das Haus geschlossen sein. Beim Alpenverein hofft man, dass der neue Betreiber besser zurechtkommt. „Ich möchte das nicht jedes Jahr machen müssen“, sagt Greulich.CARINA ZIMNIOK

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