Alle blieben gelassen und halfen sich gegenseitig, als der Zug liegen blieb.
Querfeldein machten sich die Passagiere auf den Weg zur Feuerwehr Eggmühl. Dort warteten Busse auf sie. © Lochbihler (2)
Eggmühl – Eigentlich hatten Claus Lochbihler und sein elfjähriger Sohn keine großen Wanderungen für den schönen Frühlings-Sonntag geplant. Die beiden Münchner haben den Tag in Regensburg verbracht. Am späten Nachmittag wollten sie die Heimreise antreten. Doch schon bevor der Regionalexpress den Regensburger Bahnhof verließ, ahnte Lochbihler, dass nicht alles nach Plan laufen könnte. Denn es gab eine Durchsage, dass der Zug mit Verspätung losfahren werde, weil es ein Problem mit dem Hauptschalter der Lok gibt, berichtet der 57-Jährige.
Eine Dreiviertelstunde später ging die Fahrt schließlich doch los – doch der Zug kam nicht mal bis zur ersten Haltestelle Eggmühl. Dort trat das Problem mit dem Hauptschalter erneut auf, wie Lochbihler und die anderen Fahrgäste durch den Zugbegleiter erfuhren. Weil die Lok stand, funktionierte auch die Klimaanlage nicht. „In kürzester Zeit war es unglaublich stickig und heiß im Zug“, erzählt der Münchner. Weil der Zugbegleiter das Problem erkannte, öffnete er die Türen zu der vom Gleis abgewandten Seite – bat die Fahrgäste aber, nicht auszusteigen, weil sonst die Strecke gesperrt werde. Schon ein paar Momente später sah Lochbihler von seinem Fenster aus einen Mann mit dem Handy draußen durch die Wiese laufen – und ahnte, dass der Zwischenstopp noch länger dauern wird.
„Die Stimmung im Zug war entspannt“, berichtet er. Etwas Bahn-Sarkasmus war natürlich auch dabei. Je schlechter die Luft wurde, desto mehr Fahrgäste drängten sich vor den offenen Türen. Und dann begann der Wandertag. „Eine Durchsage kam nicht mehr“, sagt Lochbihler. Doch die Fahrgäste verließen den Zug und machten sich querfeldein auf den Weg nach Eggmühl – und ernteten einige verwunderte Blicke der Dorfbewohner. 700 bis 800 Leute waren es, schätzt er. „Sie haben sich selbst organisiert.“ Ziel der zwei bis drei Kilometer langen Wanderung war die Feuerwehr – offenbar hatten einige Passagiere die Info bekommen, dass von dort aus Ersatzbusse fahren. Einige hatten die Hoffnung, die Busse würden sie bis München bringen, sagt Lochbihler. Das war aber nicht so. Er und sein Sohn landeten in einem Bus, der sie bis nach Landshut brachte.
Dort ging wieder erst mal nichts mehr weiter – denn mittlerweile war die Bahnstrecke gesperrt. Bis Lochbihler und sein Sohn zu Hause in München ankamen, war es 23.45 Uhr. Unterwegs hat er sich oft die Frage gestellt, warum der Zug mit dem defekten Hauptschalter überhaupt losgefahren ist. Diese Frage konnte auch die Deutsche Bahn gestern nicht beantworten, bestätigte aber, dass der Zug wegen einer technischen Störung liegen geblieben sei. Die genaue Ursache werde aktuell ermittelt, sagte eine DB-Sprecherin. Die Bahn bedauert die schwierige Situation für die Fahrgäste und betont: Die Sicherheit der Passagiere habe immer Priorität. Die Bahnstrecke blieb bis 21 Uhr zwischen Köfering und Eggmühl gesperrt. Dann war der liegen gebliebene Zug in den Bahnhof Eggmühl geschleppt worden.KWO