Grafenwöhr in Bayern zählt zu den wichtigsten US-Stützpunkten in ganz Europa. © IMAGO
Vilseck – Am Tag, nachdem sich die Hiobsbotschaft aus den USA in der Oberpfalz verbreitet hat, ist Landrat Richard Reisinger immer noch erschüttert. „Das kommt für uns einer kleinen Katastrophe gleich“, sagt der CSU-Politiker. Wie die meisten hat er aus den Medien erfahren, dass das US-Verteidigungsministerium rund 5000 der etwa 39.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abziehen will – Berichten zufolge geht es um die Stryker-Brigade in Vilseck, das in Reisingers Landkreis Amberg-Sulzbach liegt.
Die 6600-Einwohner-Stadt Vilseck grenzt an den Truppenübungsplatz Grafenwöhr, den größten außerhalb der USA. In den dortigen Rose Barracks sind nach Angaben der Stadt rund 8000 Soldaten stationiert, hinzu kommen etwa 12.000 Familienangehörige. Sie wohnen auf dem Kasernengelände oder in einem Umkreis von etwa 20 Kilometern. Überdies gibt es in Vilseck etwa 1500 zivile Arbeitsplätze, die von der Kaserne abhängig sind. Es gibt verschiedene Schätzungen, wie hoch die Wirtschaftskraft ist, die von dem Truppenübungsplatz ausgeht, sagt Landrat Reisinger. Mindestens seien es aber 600 Millionen Euro im Jahr.
Doch die Verbindung zwischen der Region und den Amerikanern geht darüber weit hinaus. Reisinger sagt, seine Tante habe einst einen GI geheiratet – deutsch-amerikanische Familien gibt es viele. Jedes Jahr feiern US-Soldaten und Einheimische in Grafenwöhr ein großes Volksfest, heuer im August zum 65. Mal: hier eine Militärausstellung der Amerikaner, dort ein Bierzelt, wo das Oberpfälzer Zoigl-Bier ausgeschenkt wird. Eine „einzigartige Zeltlandschaft, die Tradition und internationale Freundschaft vereint“, heißt es auf der Internetseite. Der Bürgermeister von Grafenwöhr, Edgar Knobloch, sagt, „das Zusammenleben unserer amerikanischen Freunde mit der einheimischen Bevölkerung ist tagtägliche Völkerverständigung at its best“. Erst vorigen Donnerstag hätten die Amerikaner mit den Bürgern von Grafenwöhr den Maibaum aufgestellt. Auch die Gastronomie rund um den Truppenübungsplatz hat sich dem internationalen Publikum angepasst: Es gibt amerikanisches Essen, viele Angestellte sprechen gutes Englisch, weil sie ständig in Kontakt mit US-Publikum sind, sagt Landrat Reisinger. Müssen die Soldaten heim, geht vieles verloren.
Noch gibt es keine Bestätigung der Abzugspläne. Reisinger sagt: „Jetzt kann man nur hoffen, dass sich im Pentagon die Kenntnis durchsetzt, dass der Standort wichtig ist.“CAZ/DPA