Nazi-Lager bei Razzia entdeckt

von Redaktion

Auch eine KZ-Häftlings-Uniform (Symbolbild) hatte der Mann in seiner Wohnung. © pa

Das Anwesen in Markt Indersdorf, auf dem die Razzia stattfand.

Die Bereitschaftspolizisten transportierten aus der Wohnung des 34-jährigen Indersdorfers kistenweise Nazi-Devotionalien ab. © Thomas Zimmerly (2)

Markt Indersdorf – Um 7 Uhr früh schwärmen gestern 60 Beamte des Landeskriminalamts sowie der Bereitschaftspolizei Dachau auf einem 2500 Quadratmeter großen Grundstück in der Nähe des Bahnhofs Markt Indersdorf im Landkreis Dachau aus. Ihr Auftrag: Amtshilfe für die Staatsanwaltschaft Potsdam in Brandenburg. Sie sollen einen Teil des Grundstücks durchsuchen, den ein 58-jähriger Brandenburger Militariahändler im Dachauer Hinterland angemietet hat. Eine Routineaktion, eigentlich. Doch was die Ermittler finden, macht sie fassungslos.

Im Zuge der Razzia wird der 34-jährige Vermieter des Händlers als Zeuge befragt. Und als die Polizisten in dessen Wohnung im Hauptgebäude schauen, sind sie baff. Ludwig Waldinger, langjähriger Pressesprecher des LKA und so manches gewohnt, nennt die Details: „In einem Raum, direkt neben der Wohnung, stehen Uniformteile aus dem Dritten Reich, unter anderem eine KZ-Häftlingsuniform. Daneben steht eine leere Dose mit der Aufschrift Zyklon B. Zahlreiche Rangabzeichen der SS und der SA, Uniformen, massenweise Nazi-Literatur, Maschinengewehre, Langwaffen, die an der Wand montiert sind. Alles, was man sich vorstellen kann, was aus dieser Zeit gesammelt werden könnte.“

Beim Vermieter handelt es sich um einen Mann aus Markt Indersdorf. Ihm gehört das gesamte Areal, auf dem sich mehrere Häuser, eine Spielhalle und Werkstätten verteilen. Im Hauptgebäude hat ein Schwertkampfverein seinen Sitz. Auf dessen Homepage steht: „Wir haben aktuell circa 15 aktive Kämpfer und noch einige mehr, die unregelmäßig auch bei Turnieren sind. In ganz Deutschland gibt es wahrscheinlich rund 200 bis 300 aktive Kämpfer.“

Der Militariahändler stammt aus Jüterbog, Landkreis Teltow-Fläming, wie die Staatsanwaltschaft Potsdam mitteilt. Der 58-Jährige lagert auf einer Gartenfläche neben dem Hauptgebäude sechs große Flakgeschütze und Raupenfahrzeuge. Er handle wie so viele andere mit diesen Gegenständen, so Waldinger.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam schaut dem Mann schon länger auf die Finger. Sie führt ein Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz, „in dessen Verlauf bereits im Januar umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen in Jüterbog stattfanden“, sagt Friederike Morich, Pressesprecherin und Staatsanwältin. Experten müssten nun prüfen, ob er sich strafbar gemacht habe, ergänzt LKA-Mann Waldinger. Als Extremist gelte der Händler bislang nicht. Wegen waffenrechtlicher Delikte gehen das LKA und die Staatsanwaltschaft München II nun gegen den 34-jährigen Vermieter vor, bei dem es sich „um einen Sammler handeln dürfte“, sagt Waldinger. Allerdings: „Der Besitz der Nazi-Devotionalien ist nicht strafbar, solange man sie nicht öffentlich zeigt. Sammeln ist leider nicht verboten“, erklärt Waldinger.

Der LKA-Mann sagt aber auch, dass es „sehr genaue Vorschriften gibt, wie diese Waffen entschärft werden müssen, damit man sie auch sammeln darf“. Deshalb würden alle Waffen von Gutachtern sorgfältig überprüft. Das gilt im Übrigen auch für die Dose mit Zyklon B, einem Giftgas, das von den Nazis zum industriell organisierten Massenmord eingesetzt wurde.

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