Jaber H. (36) vor Gericht. © Sigi Jantz
München – Sie sind angeklagt wegen erpresserischen Menschenraubes: Drei Syrer sollen einen Landsmann in der Dachauer Straße entführt und gequält haben. Am Landgericht wird ihnen jetzt der Prozess gemacht.
Demnach hatte das Trio noch weitere Komplizen, die die Entführung möglich gemacht hatten. Opfer Sami A. sollen sie im Januar 2024 nach Nürnberg gebracht haben, wo die Bande extra einen Lagerraum präpariert hatte. Für die angeklagte Tat passten die Männer ihn um 5 Uhr morgens vor der Wohnung ab. Dort drückten sie ihm laut Staatsanwaltschaft eine Pistole an die Stirn, forderten ihn auf, seine angeblichen Schulden zu bezahlen, und drohten, ihn zu erschießen. Später, in dem Lagerraum, sollen die Angeklagten Sami A. eine Tüte über den Kopf gezogen haben. Sie fesselten ihn zudem mit Klebeband an einen Stuhl. Danach zwangen sie ihn, seine Eltern, seinen Bruder und seinen Arbeitgeber anzurufen – um mitzuteilen, dass er entführt worden war. Und dass das Lösegeld 100.000 Euro betrage. Anderenfalls würden sie ihn „in Stücken zurückschicken“.
Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sollen sie Sami A. mit einem Elektroschocker traktiert und ihn mit den Fäusten geschlagen haben. Sie sollen gedroht haben, ihm Organe herauszuschneiden. Einen Tag später die Wende: Zwei Bandenmitglieder machten Sami A. los – aus Angst, dessen Angehörige hätten die Polizei eingeschaltet.
Er selbst soll am 12. Mai vor Gericht aussagen. Dort verweigerten die Angeklagten die Aussage. Für eine Überraschung sorgte Verteidiger Andreas Remiger: Er beantragte, Angehörige seines Mandanten Sami D. aus Damaskus zu laden – denn sie könnten bezeugen, dass das vermeintliche Opfer tatsächlich ein Schleuser sei. Ihm sollen Angehörige des Angeklagten 50.000 Euro für den illegalen Transport nach Deutschland gezahlt haben. Sami A. aber soll die Schleusung nicht durchgeführt haben.
Wofür sich die Männer dann gerächt haben? Das muss Richter Christian Daimer bis zum 26. Juni klären.THI