Keine Geräte, keine Patienten: Die Zahnärztinnen Julia Möller (rechts) und Daniela Neher in ihrer ausgeraubten Praxis in Taufkirchen. © Martin Hangen
Taufkirchen – Dieser Einbruch schmerzt mehr als jede Zahnarztbehandlung: Verbrecher haben die Zahnarztpraxis von Julia Möller und Daniela Neher am Lindenring in Taufkirchen im Landkreis München ausgeräumt. Jetzt können die Ärztinnen nicht arbeiten – weil alle Geräte geklaut wurden. „Der Einbruch muss zwischen Donnerstag, 22.30 Uhr, und Samstag, 10 Uhr, passiert sein“, sagt Julia Möller. Die Täter brachen die Eingangstür der Praxis auf. Am Samstagmorgen hatte eine Mitarbeiterin den Einbruch entdeckt – sie hatte ihre Geldbörse in der Praxis vergessen. Kurios ist, dass die Einbrecher sie nicht mitgenommen hatten. Auch die Kaffeekasse war noch da. Denn die Täter hatten es auf die medizinischen Geräten abgesehen. „Sie haben alles mitgenommen. Es ist alles weg“, sagt Möller. Kabel und Luft-Wasser-Spritzen schraubten sie ab. Auch die Motoren- und Turbinenschläuche wurden abmontiert.
Die beiden Behandlungsstühle sind seitdem komplett ohne Geräte. „Pro Stuhl sind es rund 10.000 Euro Schaden“, sagt Julia Möller. Sie vermisst auch fünf Wurzelbehandlungsgeräte. „Auch die kosten 2000 bis 3000 Euro das Stück.“ Geklaut wurden außerdem zwei Zahnreinigungsgeräte des Typs „Airflow Master“. Neupreis: je 15.000 Euro. „Sie haben auch alle Winkelstücke gestohlen, insgesamt 30 Stück. Da kostet eins rund 1000 Euro“, sagt die Zahnärztin. Ein Winkelstück ist der Griff, auf dem sich zum Beispiel Bohrer montieren lassen.
Auch die Lager räumten die Täter aus. Laut Julia Möller wurden mehrere hundert Diamantbohrer gestohlen. „Und alle Einmal-Feilen aus Nickel-Titan, da kostet das Set rund 65 Euro.“ Insgesamt rechnen die Zahnärztinnen mit mehr als 100.000 Euro an Beute.
Die Polizei bestätigt den Einbruch und hofft auf Hinweise (Telefon 089/29100). Den Sachschaden an der Tür schätzt sie auf rund 2000 Euro. Doch das sind nicht die einzigen Kosten für Julia Möller und Daniela Neher– sie müssen auch ausgefallene Behandlungen verkraften. „Wir haben für zwei Tage alle Termine abgesagt“, berichtet Möller. „Ich denke, dass wir erst am Freitag richtig handlungsfähig sein werden.“ Die Praxis sei zwar versichert. „Aber es ist nicht klar, ob die Versicherung den aktuellen Neupreis bezahlt. Denn heute sind Geräte viel teurer als vor einigen Jahren. Außerdem hoffen wir, dass die Versicherung uns nicht kündigt nach einem solch hohen Schaden.“ Sie ist sicher: Das waren Profis. „Erschreckend, wie leicht sie in die Praxis gekommen sind – trotz Sicherheitstür.“
Laut Polizei kommen Einbrüche in Zahnarzt-Praxen immer wieder vor, weil sich die Geräte gut weiterverkaufen lassen. Der letzter Fall in Bayern liegt noch nicht lange zurück. Unbekannte waren Anfang Dezember in eine Zahnarzt-Praxis in Gilching im Landkreis Starnberg eingebrochen. Auch dort lag der Schaden bei rund 100.000 Euro. Julia Möller will jetzt sicherstellen, dass das nie wieder passiert: „Wir werden jetzt Kameras installieren – und wohl eine Alarmanlage.“THOMAS GAUTIER