Arbeiten am XXL-Puzzle: Präparator Aart Walen (links) und Peter Kapustin, Gründer und Leiter des Urzeitmuseums in Taufkirchen, basteln am Urzeit-Elefanten. © Oliver Bodmer (2)
Taufkirchen/Vils – Es ist ein Mammutprojekt. Nein, ein Urzeit-Elefanten-Projekt. Denn in Taufkirchen an der Vils im Kreis Erding schweißen, schrauben und hämmern Peter Kapustin und Aart Walen seit Wochen, was das Zeug hält. In Kapustins Urzeitmuseum wächst so Knochen um Knochen das Skelett eines Urzeit-Elefanten heran. Jene Art Deinotherium Giganteum lebte vor zehn bis zwölf Millionen Jahren auf dieser Erde, als gerade Gebirge wie die Alpen entstanden. Sie brachten es auf eine Schulterhöhe von über vier Metern und wurden bis zu 13 Tonnen schwer.
Präparator Aart Walen puzzelt ein Original-Skelett für die neue Elefantenhalle im Museum zusammen. Der 67-Jährige biegt Metallstangen zurecht, schraubt sie in die Ausstellungswände und setzt einen präparierten Knochen nach dem anderen an seinen Platz im Modell – vom Halswirbel bis zu massiven Arm- und Beinknochen. Immer wieder fällt sein Blick auf den Bauplan. Davon gibt es drei. Denn 2023 wurde im Kreis Erding nicht nur ein Urzeit-Elefant gefunden. Peter Kapustin und seine Söhne Constantin und Alexander, damals neun und zehn Jahre alt, hatten in einer Sandgrube Überreste von drei Tieren entdeckt. Nie zuvor waren so viele Deinotherien an einer Stelle gefunden worden. Eine Sensation.
Walen ist eine Koryphäe seines Fachs. Seit 30 Jahren arbeitet der Niederländer mit Dino-Knochen. Er buddelte in Portugal, Griechenland und den USA – und 2023 eben auch im Weiler Weipersdorf an der oberbayerisch-niederbayerischen Grenze, wo Kapustins Team 120 Knochen bergen konnte. Weil in jener Kiesgrube im Jahr 2004 mal ein prähistorisches Schädelteil gefunden worden war, hatte Kapustin als kundiger Hobby-Paläontologe dort immer wieder vorbeigeschaut. Knapp 20 Jahre später erwartete ihn und seine Kinder dort ein großes Abenteuer. Die Buben entdeckten ihn als erste – den jahrmillionenalten Oberschenkelknochen, der aus einem alten Fuchsbau quasi in die Gegenwart lugte. „Ein Schulterblatt hatte der Fuchs einst als tragenden Balken verwendet“, erinnert sich Kapustin.
Der Grundstückseigner stoppte seine Baggerarbeiten und Kapustin trommelte ein Expertenteam zusammen. 20 auf 20 Meter groß war das Areal und die Knochen warteten teils in nur eineinhalb Metern Tiefe darauf, geborgen zu werden. Schaufeln, Pickel, Hammer, Pinsel und Eimer braucht’s zum Graben. Dazu Folie, Gips und Sekundenkleber, um die Funde noch vor Ort am Zerbröseln zu hindern und für ihre Lagerung sowie den Weitertransport zum Präparator zu wappnen.
„Fünf Liter Sekundenkleber im Wert von 1500 Euro waren im Sommer 2023 schnell weg“, erzählt Kapustin. Die meisten Paläontologen, Geologen und Grabungsexperten arbeiteten wie Aart Walen in ihrer Freizeit mit. Kost und Logis gingen auf Kapustin. „Wir haben sogar in der Nacht gegraben“, erzählt der 42-Jährige. „Man hat daheim eh kein gutes Gefühl, wenn da ein prähistorisches Kiefergelenk freiliegt.“ Nicht, dass der Fuchs wiederkommt.
Inzwischen hat die Knochenarbeit ein Ende. Im Urzeitmuseum wartet das kleinste Skelett nun ab Samstag darauf, in Lebensgröße von Besuchern bestaunt zu werden. „70 Prozent seiner Knochen sind erhalten, darunter Schädel und Stoßzähne“, erklärt Kapustin. „Die Stoßzähne sind beim Hauerelefanten übrigens vom Unterkiefer nach unten gebogen – nicht wie beim Mammut vom Oberkiefer nach oben.“
„Little Consti“ heißt der kleinere Elefant, der einst wohl im Alter von zehn bis zwölf Jahren starb. Getauft nach seinem Finder Constantin Kapustin (11). „Big Alex“ heißt der zweite – nach Alexander Kapustin (13). Dieses Exemplar war einst wohl 15 Jahre alt und 4,20 Meter groß. Seine kolossalen Knochen demonstrieren in der Ausstellung die Arbeit der Experten: Die einen sind noch in Folie und Gips gehüllt, andere nur teils vom Kalk befreit. Der Oberschenkel von „Lonely Pete“ war es übrigens, der den Forschern zeigte, dass auf dem Weipersdorfer Friedhof der Urzeitviecherl Überreste von drei Elefanten ruhten. Denn der passt mit seinen 1,25 Metern absolut nicht zu Big Alex oder Little Consti.CORNELIA SCHRAMM
Das Urzeitmuseum
lädt ab Samstag in die Elefantenhalle. Öffnungszeiten: samstags 11-17 Uhr; sonn- und feiertags 10-17 Uhr. Eintritt: Erwachsene 9 Euro; Kinder 6 Euro. Infos unter www.urzeitmuseum.de