Gestern sind Klara und ich zum Bauernhof gewatschelt, um uns dort ein wenig umzuschauen. Als wir zurück an den See kamen, berichteten wir Agnes davon. „Im Hof stehen ganz viele Tische. Die werden gerade abgedeckt“, schnatterte ich. „Wie meinst du das“, quakte Agnes, „wurden die Tische abgedeckt in dem Sinne, dass da Tücher drübergelegt wurden, oder abgedeckt mit der Bedeutung, dass da Dinge drauf standen und die weggenommen wurden?“
Da dämmerte mir, dass meine Beschreibung nicht so eindeutig war. Und Agnes erklärte: „Abdecken ist ein sogenanntes Janus-Wort, benannt nach einem römischen Gott mit zwei Gesichtern. Und das meint man auch, wenn man von Janus-Wörtern schnattert, es sind Wörter, die zweierlei – meist sogar gegensätzliche – Bedeutungen haben. Ich gebe ein anderes Beispiel: das Wort Beule. Wenn Zweibeiner sagen, dass ein Auto eine Beule hat, dann beschreiben sie damit eine Vertiefung oder Delle im Blech. Wenn sich aber der Bub vom Bauern den Kopf an einem Ast stößt, bekommt er auch eine Beule. Die sieht dann aber ganz anders aus, nämlich wie eine Erhebung bzw. Schwellung, also nach außen gewölbt, nicht nach innen, versteht ihr?“
Agnes wirkte zufrieden: „Wunderbar, ich sehe, das habt ihr verstanden. Aber wie war das nun mit den Tischen? Wurden die gerade für eine Feier gedeckt oder ist da schon etwas gewesen, und wir haben es nur verpasst?“ Klara und ich blickten uns gegenseitig an und waren plötzlich nicht mehr sicher. Eure Paula