Virologe fordert neue Regeln für Reedereien

von Redaktion

Alexander Kekulé: Hygienekonzepte auf Kreuzfahrtschiffen reichen nicht für hochansteckende Viren

München – Wie gut ist der Seuchenschutz auf Kreuzfahrtschiffen? Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf der „MV Hondius“ vor den Kapverden fordert der Münchner Virologe Professor Alexander Kekulé neue Regeln für die Reedereien: „Die Hygienekonzepte auf diesen schwimmenden Hotels müssen dringend überprüft und überdacht werden. Die Passagiere verbringen sehr viel Zeit zusammen auf engstem Raum. Oft gibt es nur einen einzigen Schiffsarzt, der mit einer Handvoll Assistenten tausende Passagiere betreuen soll – das reicht nicht aus, um hochansteckende Viren in Schach zu halten.“ Für solche dramatischen Fälle wie den aktuellen Hantavirus-Ausbruch bedürfe es mehrstufiger Isolationspläne, die im Notfall schnell abgerufen und umgesetzt werden können, sagte Kekulé.

Im Kampf gegen Viren zählt der Mediziner aus Schwabing zu Deutschlands bekanntesten Experten. Während der Corona-Pandemie gab der 67-Jährige einen Corona-Podcast heraus und war oft Gast in Talkshows.

Auf dem Kreuzfahrtschiff konnte sich der Erreger offenbar relativ ungebremst ausbreiten. „Normalerweise infizieren sich Menschen mit Hantaviren über Ausscheidungen von Mäusen und anderen Nagetieren. Der Urin ist beispielsweise in Staub enthalten, der aufgewirbelt und dann inhaliert wird“, erklärt der Virologe. 2025 gab es in Deutschland 297 Fälle – aber in den allermeisten Fällen verliefen die Erkrankungen glimpflich. Seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 wurde laut Robert Koch-Institut (RKI) ein einziger Todesfall registriert.

Beim Bedrohungspotenzial der rund 50 Hantavirus-Arten gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. Die auf dem Schiff verbreitete Unterart namens „Andenvirus“ ist die einzige, die wahrscheinlich von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Der in Südamerika verbreitete Erreger gilt zwar als extrem gefährlich, statistisch gesehen sterben vier von zehn Infizierten. Aber in anderen Teilen der Erde kommt er selten vor. „Das Anden-Virus ist außerhalb Südamerikas geradezu exotisch“, sagt Kekulé: „Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich bei uns in Deutschland damit ansteckt, ist nahezu Null.“ANDREAS BEEZ

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