Klara hatte ihre Tante und ihren Onkel besucht, die an einem anderen See lebten. Als sie mich wiedersah, quakte sie: „Wir haben so viel gemacht! Die Zeit ist extrem schnell vergangen, ich kann gar nicht fassen, dass ich ganze zwei Tage zu Besuch war. Es kommt mir vor, als hätte ich nur eine Stunde dort verbracht!“
Ich erzählte, dass das auch damit zu tun hat, dass das Gehirn Zeit an äußeren Reizen festmacht. Dabei gibt es das sogenannte Zeitparadox: Wenn in wenigen Tagen viele aufregende Dinge passieren, und wir uns gerade mittendrin befinden, fühlt sich die Zeit für uns kurz an. Das liegt daran, dass viele neue Reize nacheinander auf das Gehirn einprasseln und ein spannendes Ereignis direkt das nächste ablöst. Wenn Klara sich aber in ein paar Wochen an ihren Ausflug erinnert, wird er ihr wahrscheinlich richtig lang vorkommen. Das hängt damit zusammen, dass das Gehirn sich Tage mit vielen Gefühlen besser merkt als Tage, an denen nichts Besonderes vorgefallen ist. Wäre meine Freundin zwei Tage zu Hause geblieben und hätte nur geputzt, käme ihr diese Zeit vermutlich sehr lange vor. Der Grund ist, dass sie den Tag mit einer für sie langweiligen Aufgabe verbringt. Aber im Rückblick würde das Gehirn dieses Wochenende nur als eine kurze Sequenz abspeichern, weil ja nicht viel passiert ist. Aus dem Grund vergeht die Zeit für Zweibeiner übrigens auch immer schneller, je älter sie werden: Als Kind erleben sie noch viele neue Dinge. Später ist das nicht mehr so.
Eure Paula