Matthias Mann im Rewe Unterschleißheim. © Michalek
Konzentriert scannt Matthias Mann das Gemüse, legt es in eine Box. Die Kiste schiebt er in einem Einkaufswagen durch die Gänge des Rewe-Markts in Unterschleißheim (Kreis München). „Der Abholservice macht mir am meisten Spaß“, sagt der 22-Jährige. „Ich kann Leuten helfen, die eine Behinderung haben und nicht einkaufen können.“ Auch er selbst ist schwerbehindert, er leidet an einem Gendefekt und an einer Sehbehinderung. Seit einigen Monaten macht er eine Ausbildung zum Verkäufer. Dafür hat er lange gekämpft. Doch nicht nur für ihn ist die Lehre eine große Chance – sondern auch für Rewe-Inhaber Husein Dugonjic. Der ist Sponsor der Volleyballer des SV Lohhof. Matthias Mann ist ehrenamtlicher Helfer und bei vielen Spielen dabei. Dugonjic fand das toll. „Es zeigt Pflichtbewusstsein und Engagement“, sagt er. Eigenschaften, die er sich bei seinen Mitarbeitern wünscht. Die beiden vereinbarten einen Probemonat. „Es hat aber sofort gepasst.“ Das Team hat den 22-Jährigen von Anfang an gut aufgenommen. „Ich bin sehr froh, dass ich etwas gefunden habe“, sagt Mann. „Hier fühle ich mich wohl.“
Zu seinen Aufgaben zählen neben dem Abholdienst unter anderem, Obst und Gemüse aufzufüllen, die Mindesthaltbarkeit zu prüfen und die Getränke aufzufüllen. „Man kommt mit Kunden in Kontakt und kann Leuten helfen, das finde ich toll.“ Aufgrund seines Gendefekts halten sein Knie nicht so lange durch, deshalb arbeitet er bis 13 Uhr und benötigt mehr Pausen. „Dafür ist er umso motivierter und gewissenhafter“, sagt sein Chef. Bis Mann seine Ausbildung anfangen konnte, musste er einen langen Behördenweg gehen. Viele Anträge, E-Mails und Telefonate waren nötig. „Das sollte vereinfacht werden“, findet er. Auch sind er und sein Chef der Meinung, dass die monatliche Ausgleichszahlung für Unternehmen, die nicht die gesetzlich vorgeschriebene Zahl von schwerbehinderten Menschen beschäftigen, zu niedrig ist. Dugonjic hat mittlerweile auch eine Aushilfe mit Behinderung angestellt. Zudem geht er aktiv auf die Suche, um Menschen mit Handicap eine Arbeitsmöglichkeit zu geben. „Das ist eine Herzensangelegenheit.“LAURA FORSTER