Fester Bestandteil beim Sudetendeutschen Pfingsttreffen: Frauen zeigen sich in traditioneller Tracht. © Andreas Gebert/pa
München/Brünn – Der geplante Sudetendeutsche Tag an Pfingsten stößt in Tschechien auf Gegenwind. Erstmals findet das Treffen vom 22. bis 25. Mai im Nachbarland statt, und zwar in der zweitgrößten Stadt Brünn (Brno). Dagegen zieht vor allem die ultra-rechte Regierungspartei „Freiheit und direkte Demokratie“ zu Felde. Es gab schon eine Demo „gegen die schleichende Germanisierung“ und eine angeblich drohende Infragestellung „der Rechts- und Eigentumsverhältnisse“ sowie zuletzt eine mehrtägige hitzige Debatte im Parlament in Prag. Trotzdem soll das Pfingsttreffen mit geschätzt 1000 Teilnehmern aus Deutschland „auf jeden Fall stattfinden“, bestätigte der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, unserer Zeitung. Auch ein „Versöhnungsmarsch“ zur Erinnerung an den sogenannten Brünner Todesmarsch ist wieder geplant.
Posselt ist über die Aufregung nicht verwundert, denn in Prag gab es einen Regierungswechsel. Der rechtspopulistische Regierungschef und Milliardär Andrej Babis hat mit seiner Partei Ano und zwei rechtsextremen Kleinparteien eine Mehrheit geschmiedet. Die beiden Juniorpartner nutzten den Sudetendeutschen Tag „zur Profilierung“, sagt Posselt. „Die Mehrheit der Tschechen ist versöhnlich, eine starke Minderheit ist unversöhnlich“, skizziert er die Lage in dem Land.
Dass das Pfingstreffen erstmals in Tschechien stattfindet, ist 80 Jahre nach der Vertreibung von rund drei Millionen Deutschen und nach dem Schrecken der NS-Besatzung eigentlich als Friedenssignal gedacht. Das Treffen auf dem Messegelände der mährischen Hauptstadt steht unter dem Motto „Alles Leben ist Begegnung“, erwartet wird als Redner auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Es gibt aber auch Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Holocaust in Brünn, für die Opfer der Vertreibung an einem Massengrab sowie traditionelle Volkstanz- und Trachten-Veranstaltungen. Mit Protest vor Ort ist zu rechnen, doch man lasse sich nicht entmutigen, sagt Posselt. Er hat die mehrtägige Debatte im Prager Parlament verfolgt. Dort wollten die Gegner des Pfingsttreffens erreichen, dass das Parlament die Veranstalter zur Absage auffordert. Offiziell wurden die Sudetendeutschen von dem Kulturfestival „Meeting Brno“ eingeladen. Mit mehrstündigen Filibuster-Reden im Parlament konnte die Opposition eine Abstimmung bisher verhindern. CSU und Freie Wähler in Bayern hatten im Vorfeld gegen den Antrag protestiert. Er sei „ein falsches Signal“, sagte CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek, und spiegele nicht die vielen positiven Reaktionen in der tschechischen Gesellschaft wider, die den Sudetendeutschen Tag in Brünn im Vorfeld begrüßt hatten.
Auch Posselt verweist auf viele Unterstützer. So hat die Oberbürgermeisterin von Brünn, Marketa Vankova, das Treffen unterstützt, ebenso Historiker, viele Medien und Abgeordnete der Opposition. Hingegen haben sich die Ex-Präsidenten Vaclav Klaus und Milos Zeman auf die Seite der Gegner geschlagen. Ersterer lehnte den Begriff der Aussöhnung als „falsch“ ab. Letzterer warnte vor einer „Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs“. Regierungschef Andrej Babis hielt sich bisher zurück. Vor Journalisten sagte er, er wolle nicht, dass die Beziehungen mit Deutschland belastet würden. Posselt wertet dies als „Zeichen der Deeskalation“.DIRK WALTER