LANDTAG INTERN

Aigner und der Adler

von Redaktion

Ilse Aigner mit Tirols Landeshauptmann Anton Mattle

Es sind Nachbarn, an deren Zaun mitunter wütend gestritten wird: Bayern und Tirol beharken sich in der Verkehrspolitik mit Schimpf und Schikane, Klagen und Blockaden. Wie so oft bei Nachbar-Zoff, haben die zwei selbstbewussten Bundesländer im Streit um den Brenner-Transit beide irgendwie in Teilen Recht, das macht‘s nicht leichter. Umso überraschender ist nun eine kleine Tiroler Geste: Die dortige Landesregierung hat gestern am frühen Abend Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) den „Großen Tiroler Adler-Orden“ verliehen, eine ihrer höchsten Auszeichnungen. Und das nicht trotz erbittertem Brenner-Streit – sondern genau deswegen.

Aigner habe seit Jahren für beide Seiten ein offenes Ohr, bringe Bayern und Tirol zusammen, sagt Landeshauptmann Anton Mattle bei der Feierstunde in Innsbruck. „Ihr Stil: zuhören, abwägen und erst dann handeln.“ Aigner stehe „für eine Politik des Miteinanders, für Dialog statt Konfrontation“, sie strecke die Hand aus beim Polit-Dauerbrenner Alpentransit.

Die Antwort-Rede der CSU-Politikerin: herzlich, fast berührt. Aigner hebt das Gemeinsame hervor, die Liebe zu Heimat, Tracht, Dialekt, Stolz und Freiheitsdrang. Nördlich der Donau sei sie früher „oft für eine Tirolerin gehalten worden“, erzählt sie. Den Gastgebern schmeichelt sie: „Ich verneige mich vor dem Tiroler Freiheitswillen.“ Und streift den Brenner-Streit nur kurz, aber scharf: „Da muten wir uns gegenseitig einiges zu.“

Nun also ein Adler für Aigner: am weiß-roten Band, golden auf Silber, mit Krönchen. Der andere Adler, an dem Aigner Interesse nachgesagt wird, wäre ein schwarzer Adler auf goldgelbem Grund, mit roten Krallen und ernstem Blick nach rechts – das Hoheitszeichen des Bundespräsidenten. Das ist eine gaaanz andere Geschichte. Doch das Tierchen aus Tirol hat auch dafür zumindest eine gewisse Signalwirkung: Eine Bayerin, die derzeit ausgerechnet von Tirolern gepriesen wird, scheint etwas diplomatisches Geschick mitzubringen.CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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