„Grüß Gott!“ Das sagt ein junger Mann mit dunklen Augen und dichten schwarzen Haaren. Er steht an der Kasse eines kleinen türkischen Supermarktes. Dessen freundlicher Inhaber hatte sich eine Zeit lang mit den Ladenöffnungszeiten und der Sonntagsruhe abgemüht. Schien ihm nicht so ganz einzuleuchten. Aber offenbar stellt das für ihn inzwischen kein Problem mehr dar, weil jemand mit ihm vernünftig kommuniziert hat.
Die Musik ist laut wie immer, und ich verstehe kein Wort von dem, was gesungen wird. Aber die Stimmung ist gut. Und ich finde, was ich brauche. Kişniş Toz, gemahlenen Koriander, und Adana, eine köstlich-scharfe, leicht rauchige Gewürzmischung aus Paprika, Zwiebel, Chili, Knoblauch, Pfeffer, Cumin, Petersilie und Salz. Ich koche gerne „cross-over“: Gerichte, die Lebensmittel und Gewürze aus verschiedenen Ländern verbinden.
„Grüß Gott“ statt „Hallo“ oder „Guuten Taach“. Ich freue mich und sage es dem jungen Mann auch. Er lacht. „Ich bin in Deutschland geboren“, meint er und zeigt damit, dass er meine Gedanken lesen kann. Ich habe tatsächlich überlegt, ob er hier aufgewachsen ist. Und dann fügt er hinzu: „Grüß Gott – das kann man nicht zu jedem sagen. Aber Sie sehen so aus, als ob es zu Ihnen passt.“ Hm. Wie sieht man aus, wenn „Grüß Gott“ zu einem passt?
Ich frage nicht nach. Manches lässt man besser einfach so stehen. Meine Gewürze packe ich ein, die Brezn, die ich auch gekauft habe, und die Gummibären im Sonderangebot. Alles auch ein bisschen „cross-over“. Der junge deutsche Türke lächelt verschmitzt und verabschiedet mich mit den Worten „an scheena dog no“. Einen schönen Tag noch? Ihm auch. „Eana a“, erwidere ich. Und „güle güle“. Das heißt auf Türkisch so etwa „auf Wiedersehen“. Von diesen kleinen Sätzen kann ich demnächst noch ein paar mehr in dem Geschäft einsetzen. Gelehrt hat sie mich mein bester Freund, in Erlangen geboren, aufgewachsen im Libanon, im Allgäu und in Oberbayern. Studiert hat er unter anderem in Paris und gearbeitet in Istanbul. Als Pfarrer. Kommunikation über Grenzen ist nicht immer leicht. Aber nicht ganz so schwer, wenn sich alle redlich bemühen.