Die unverzichtbaren Fachkräfte aus dem Ausland

von Redaktion

Mohamed Khalafi ist mit einem Arbeitsvisum nach Bayern gekommen, um hier in der Pflege zu arbeiten

Mohamed Khalafi liebt seine Arbeit in der Klinik. © Schlaf

München – Jetzt, nach drei Jahren, kann Mohamed Khalafi es ja gestehen: „Ich habe an meinem ersten Arbeitstag die Hälfte nicht verstanden“, sagt er und schaut Ann Cathrine Kamphaus an. Sie lächelt. Denn sie ist Integrationsbeauftragte in der Schön Klinik in Harlaching – und in der Regel die erste bayerische Kollegin, die ausländische Arbeitskräfte hier kennenlernen. Sie erinnert sich noch gut, wie sie Khalafi damals in der Wohnung besuchte, die ihm die Klinik vermittelt hatte. Schon damals sprach der Tunesier gut Deutsch – war aber aufgeregt und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wenn er ein Wort nicht verstand. Kamphaus kennt das. Sie weiß, dass auch Erfolgsgeschichten mit viel Geduld und Arbeit beginnen.

Etwa die Hälfte der Pflegekräfte in der Schön Klinik ist aus dem Ausland mit Arbeitsvisum nach Deutschland gekommen, sagt sie. In ihren Heimatländern haben sie ein Pflegestudium absolviert und Deutsch bis B2-Niveau gelernt – damit können sie bereits fließend Unterhaltungen führen. Aber die Klinik-Sprache hat es eben in sich. Viele Fachausdrücke – und dann kommt bei einigen Patienten und Kollegen ja auch noch der bairische Dialekt dazu. Mohamed Khalafi lernte mit viel Energie weiter die Sprache. Heute spricht er akzentfrei Deutsch. Und sogar ein wenig Bairisch. An seinem „Servus“ hat er lange gefeilt. „Es wurde von Woche zu Woche leichter.“ Er habe sich durchgebissen.

Der 33-Jährige hat als Operationstechnischer Assistent angefangen, seine Aufgabe ist es, den Chirurgen im OP die Instrumente anzureichen. Während der Anerkennungsphase war er in verschiedenen Abteilungen eingesetzt. Vergangenen Sommer hat Khalafi seine Anerkennungsprüfung bestanden. Inzwischen spricht er nicht nur perfektes Deutsch – sondern ist auch Vater von acht Monate alten Zwillingen. Seine Frau ist ebenfalls Pflegekraft und mit Arbeitsvisum eingereist. „Ich mag Bayern“, sagt er. „Und vor allem gefällt mir, wie gut in Deutschland alles organisiert ist.“ Das Gesundheitssystem sei viel besser als in seiner Heimat. Einige Kollegen sind für ihn Freunde geworden, erzählt er. Mohamed Khalafi ist froh, dass er den Schritt gewagt hat.

Menschen wie er sind die beste Werbung für die Kliniken. „Die Bewerbungen aus dem Ausland kommen inzwischen von allein“, sagt Kamphaus. Die Pflegekräfte sind in ihren Heimatländern gut vernetzt und berichten dort von ihrem Arbeitsalltag in Deutschland. Die Klinik hat Kooperationen mit Anbietern wie der Amesol Akademie aufgebaut, die sich auf die Qualifizierung internationaler Fachkräfte spezialisiert hat. Die Stelle der Integrationsbeauftragten ist vor vier Jahren geschaffen worden, um die neuen Kollegen bestmöglich zu unterstützen. Kamphaus nimmt mit ihnen Kontakt auf, bevor sie nach Deutschland kommen, unterstützt sie während des Anerkennungsverfahrens und steht ihnen bei allen Fragen zur Seite. Größte Herausforderung sei für alle die Sprache, sagt sie. Doch den allermeisten gelingt es, alle Fachausdrücke zu lernen. „Es ist nur ein minimaler Teil, der die Anerkennungsphase abbricht. Und dann meist aus persönlichen Gründen.“

Mohamed Khalafi erlebt es immer wieder, dass ihm Patienten nicht glauben, wenn er berichtet, dass er erst seit drei Jahren in Deutschland lebt. Die schönste Bestätigung für ihn, dass sich seine Anstrengungen gelohnt haben. Und für seine Bemühungen, ein perfektes „Servus“ hinzukriegen.KATRIN WOITSCH

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