Dobrindt in Trudering: „Land in Unordnung“

von Redaktion

„Kontrolle, Kurs, Kante“: Alexander Dobrindt gestern Abend bei seinem Premierenauftritt im Festzelt, umrahmt vom Truderinger Musikverein. © Markus Götzfried

München – Innenminister zucken besser nicht, wenn es knallt. Also steht Alexander Dobrindt mit stabilem Lächeln vorm Festzelt, als die Böllerschützen zum Salut ansetzen. Links und rechts regnen bei jedem Schuss die Blätter von den Bäumen, Dobrindt verharrt reglos und als fast einziger ohne Finger in den Ohren. Erster Test bestanden beim Auftritt des Bundesinnenministers gestern Abend in Trudering.

Explosiver wird‘s auch nicht. Es ist ja fast ein Heimspiel bei der CSU auf der Truderinger Festwoche. Jedes Jahr holen sie einen Promi-Redner ins Zelt, man erinnert sich überregional an manche Vorjahre. 2017 zum Beispiel als die Kanzlerin hier war. Angela Merkel sagte im Truderinger Zelt die weltweit beachteten Worte, dass die Europäer ihr Schicksal nun „ein Stück weit“ selbst in die Hand nehmen müssten. Was ja noch heute gilt, mehr denn je.

Für Dobrindt selbst ist es die Premiere hier. Er gibt Gas, muss aber das Zelt erstmal in Fahrt bringen. Er versucht‘s mit Selbstlob („Minister für Kontrolle, Kurs und klare Kante“). Und vor allem mit dem Schwerpunktthema Asyl. Aus der Migrationswelle habe er die Migrationswende gemacht, sagt Dobrindt. Er wolle ein weltoffenes Land, wolle Humanität, aber auch Ordnung. „Wir wollen nicht, dass diejenigen zu uns kommen, die nichts beitragen wollen in diesem Land, diejenigen, die sich nicht integrieren wollen.“

Der Oberbayer kündigt in Trudering an, seine harte Linie in zwei zentralen Punkten durchzuziehen. „Unser Land ist in Unordnung gebracht worden. Wir sind die politische Kraft, die wieder Ordnung herstellt.“ Es werde bei den Grenzkontrollen bleiben, bei denen nebenbei 8000 Haftbefehle vollstreckt und 1500 Schleuser festgenommen worden seien. „Ich werde jeden Tag aufgefordert, die Binnengrenzkontrollen zu beenden. Ich halte diese Entscheidung aber für richtig.“ Ebenso setze er seinen Plan fort, Straftäter nach Afghanistan und Syrien abzuschieben. Und werde dafür, wenn es sein muss, auch mit Regierungen dort, unter anderem den Taliban, verhandeln. Der Auftritt kommt mit zunehmender Dauer gut an.

Gut gesichert sind sie alle, die gut 600 im Zelt. Einige Dutzend Polizisten bewachen die 65-Minuten-Rede des Innenministers im Münchner Osten. Auch, weil draußen vor dem Gelände der Flüchtlingsrat zur Anti-Abschiebe-Demonstration geladen hat. Vor allem gegen die von der Staatsregierung mehrfach angekündigte Initiative eines Abschiebeterminals am Flughafen wird protestiert, zumindest bis zum einsetzenden Platzregen.

Dobrindt allerdings bekommt das nicht zu sehen, seine gepanzerte Kolonne wird über eine Seitenstraße auf den Festplatz geleitet. „Ich habe ein paar Gäste von der Antifa mitgebracht“, sagt er aus der Ferne. Markus Blume, als der Truderinger Landtagsabgeordnete einer der Gastgeber, spöttelt: „Endlich mal eine gescheite Demo hier, wenn Du kommst.“CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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