DAS PORTRÄT

Mit dem Rennrad bis ans Limit

von Redaktion

Thomas Richter (l.) und Roland Zimmert aus Nandlstadt.

Es ist noch dunkel in München, als Roland Zimmert und Thomas Richter an einem kalten Aprilmorgen auf ihre Räder stiegen und losfuhren. „Die Straßen waren wie leer gefegt“, erinnert sich Zimmert. Für sie begann kein gewöhnlicher Tag, sondern ein „Tagesausflug“ der besonderen Art. 377 Kilometer bis zum Gardasee lagen vor ihnen, inklusive 2600 Höhenmeter. „Nicht zur Nachahmung empfohlen“, sagt Zimmert und lacht. „Nach Grünwald war es komplett dunkel“, erzählt er. „Das hatte etwas Mystisches.“ Die Kälte spürten sie kaum, weil sie in Bewegung blieben. Am Sylvensteinspeicher setzte Nieselregen ein. Später in Achenkirch am Achensee hielten sie für einen Kaffee. „Der Blick auf die Berge war beeindruckend“, sagt Zimmert. Doch lange blieb keine Zeit zum Staunen. Im Inntal wartete die nächste Herausforderung: ein Platten am Vorderrad. „Das war kurz eine Schrecksekunde“, erinnert sich Zimmert. „Aber wir wollten die gute Laune nicht verlieren.“

Am Brenner ging es 40 Kilometer bergauf. „Da verging uns die Laune“, sagt er offen. „Jeder Höhenmeter war eine Qual.“ Es ging langsam nach oben, Schritt für Schritt, Tritt für Tritt. „Oben waren wir einfach nur froh, dass es vorbei war.“ Doch leichter wurde es nicht. Hinter dem Pass Richtung Bozen endeten die Radwege plötzlich. „Wir mussten immer wieder neu suchen“, sagt Zimmert. Später kam Gegenwind auf dem Weg nach Trient. „Das hat uns richtig Kraft gekostet. Doch Aufgeben war nie ein Thema.“ Nach 15 Stunden im Sattel erreichten sie schließlich den Gardasee. Bei Rovereto bogen sie ab, die letzten Kilometer begannen. In Nago hielten sie noch einmal. „Da haben wir auf den See geschaut. Die Sonne war schon weg, aber die Lichter von Torbole waren da“, erzählt Zimmert. „Wir waren einfach nur glücklich.“ Im Hotel gab es ein Bier als Belohnung. Danach blieb hauptsächlich eines: Erschöpfung. „Wir waren beide völlig ausgelaugt.“ Zurück ging es am nächsten Tag bequem mit dem Bus, so blieb genug Zeit zum Verarbeiten. Radfahren ist für die Freunde mehr als Sport. Beide sind über 50, sitzen im Alltag viel im Büro. „Das ist unser Ausgleich“, sagt Zimmert. Gemeinsam fahren sie seit Jahren lange Strecken. „Nach der Tour ist vor dem nächsten Abenteuer“, sagt Zimmert und überlegt sich schon eine neue Mammut-Strecke.ANDREA HERMANN

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