Voller Einsatz für die Pflege

von Redaktion

Ausgezeichnete Pflegekraft: Vanessa Body arbeitet in der LMU-Klinik. © Martin Hangen

München – Im Hafen Madagaskars gibt es ein Schiff, das Vanessa Bodys Lebensweg prägt. Ihr Cousin arbeitete 2014 auf dem Hospitalschiff, damals war sie noch ein Teenagerin. Die Arbeit der ehrenamtlichen Ärzte und Pflegekräfte faszinierte sie. Denn in Madagaskar ist medizinische Hilfe sehr teuer. Wer nicht genug Geld hat, wird nicht behandelt. Eine Krankenversicherung gibt es nicht für alle. Ohne Hilfsorganisationen wie Mercy Ship wären viele Menschen mit ihren Erkrankungen ganz auf sich allein gestellt. „Ich wusste damals schon: Das ist es, was ich machen will“, sagt Vanessa Body.

Ihr Vater hatte andere Pläne für sie. Er hoffte, dass sie eines Tages Finanzen und Wirtschaft studiert. Bei einem Pflege-Studium wollte er sie nicht unterstützen. Also ging Body erst mal für ein Jahr als Au-pair nach Bayern, lernte in jeder freien Minute Deutsch – und begann schließlich die Pflege-Ausbildung in der Klinik Bad Tölz. In diesen Jahren hatte sie das Hospitalschiff immer im Hinterkopf. „Es war mein großes Ziel.“ Und es bestimmte ihren Weg. Nach der Ausbildung wechselte Body ans LMU-Klinikum in die Notaufnahme, später in die Anästhesie. Weil sie wusste, dass ihr diese beiden Stationen bei einem Einsatz auf dem Schiff am meisten helfen würden. Nebenher lernte sie für ein fachspezifisches Sprachzertifikat in Französisch, der Amtssprache in Madagaskar. Neben Deutsch spricht sie auch Englisch und Madagassisch fließend – und ein bisschen Italienisch. „Auf den Schiffen werden auch Übersetzer immer gebraucht“, erklärt sie. „Es gibt den Patienten Sicherheit, wenn jemand ihre Sprache spricht.“

Vanessa Body ist inzwischen 29 und ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin. Vor knapp zwei Jahren fasste sie sich ein Herz und bewarb sich für einen Einsatz auf dem Hospitalschiff. Kurz darauf kam die Zusage, vergangenes Jahr im Herbst startete sie in ihren ersten Einsatz. Für die Wochen als ehrenamtliche Pflegekraft auf dem Schiff nahm sie ihren kompletten Jahresurlaub. „Es war ein unglaubliches Gefühl, als ich dort ankam“, erzählt sie. Es gab auf dem Schiff so viele Momente, die sie niemals vergessen wird. Zum Beispiel den Mann, der kurz vor der Narkose noch sagte: „Auch falls ich die OP nicht überleben werde, bin ich euch so dankbar für das, was ihr tut.“ Vanessa Body musste kurz schlucken, bevor sie diese Worte für ihre Kollegen übersetzen konnte.

In München hat sich längst herumgesprochen, wie sehr sich die 29-Jährige für Kranke in ihrer Heimat engagiert. Eine Gruppe hier lebender Madagassen hat sie für die Auszeichnung „Pflegekraft des Jahres“ vorgeschlagen, mit der die Initiative „Herz & Mut“ zum Tag der Pflege bundesweit Fachkräfte auszeichnet. Die Münchnerin landete mit ihrer Geschichte auf dem dritten Platz. Vanessa Body konnte es kaum glauben, als die Nachricht kam. „Natürlich habe ich mich unglaublich gefreut.“ Nicht nur über diese große Ehre. Sondern vor allem, weil sie mit dem Preis noch mehr in ihrer Heimat helfen kann. Das Preisgeld von 2000 Euro will sie komplett spenden. Für Waisenhäuser und Hilfsorganisationen in Madagaskar. „Meine Mutter hat sich ihr Leben lang für Menschen eingesetzt, die Hilfe brauchen“, erzählt sie. Das hat auch Vanessa Body geprägt. Es war ein wunderschöner Moment, als sie ihrer Mutter am Telefon erzählen konnte, dass sie 2000 Euro spenden kann.

Auch eine zweite gute Nachricht hat Vanessa Body vor Kurzem bekommen: Sie darf dieses Jahr wieder auf dem Hospitalschiff helfen. Es werden zwei harte Monate, für die sie wieder ihren gesamten Urlaub opfern wird. Aber sie weiß: Sie wird glücklich zurückkehren nach Bayern. Ihr Vater hat ihr neulich gesagt, wie unendlich stolz er auf sie ist. Vanessa Body lächelt glücklich, wenn sie das erzählt. Noch mehr eingeprägt haben sich ihr aber zwei Sätze, die ihre Mutter damals am Flughafen zu ihr sagte, bevor sie das erste Mal nach Bayern flog: „Mach das, was dich glücklich macht. Aber vergiss nie, wo du herkommst!“

Artikel 1 von 11