Bayern schenkt Rheinland-Pfalz eine Ministerin

von Redaktion

Ute Eiling-Hütig und ihr neuer Chef Gordon Schnieder. © dpa

Starnberg/Mainz – Der Ministerpräsident war am Telefon, das kann schon passieren bei Abgeordneten in Bayern – aber er hieß nicht Söder. Ein Herr Schnieder wollte mit Ute Eiling-Hütig sprechen. Es eilte, und er hatte eine Frage: Ob sie bei ihm bitte Ministerin werden wolle?

Schnieder, Gordon, CDU, hat als designierter Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz mit seinem Anruf in Oberbayern am Wochenende eine ungewöhnliche Personalie eingefädelt. Er wirbt die versierte CSU-Bildungspolitikerin Eiling-Hütig aus dem Freistaat ab und macht sie zur Kultusministerin in seinem Land. Von 35 Jahren SPD-Regierung erzählt er ihr, vom notwendigen Kurswechsel. „Es wäre gut, wenn jemand von außen kommt, der einen anderen Blick drauf hat.“ Fachlichkeit sei das einzige und wichtigste Kriterium. Bedenkzeit: wenig. Maximal 48 Stunden, erzählt Eiling-Hütig. Sie sagt zu und setzt sich bald ins Auto Richtung Mainz. Um diesen Herrn Schnieder kennenzulernen und dann auch gleich vor die Kameras zu treten.

In den 48 Stunden hat sich das Leben von Eiling-Hütig (58) auf den Kopf gestellt. Der Ministerposten bedeutet: Aufgabe des Landtagsmandats, aller politischen Posten in Bayern, des Kreisvorsitzes in Starnberg, des 2023 erkämpften Chefpostens im Bildungsausschuss des Landtags. Und: Umziehen, mit Mann und Tochter aus Feldafing weg. Sie ist keine Urbayerin, die Westfälin (das hört man noch durch) kam aber vor über 25 Jahren in den Süden. Jetzt wegzugehen, sagt sie, sei für sie auch eine sehr emotionale, bewegende Sache.

Wer den Deal einfädelte und Schnieder den Tipp und die Handynummer der promovierten Historikerin gab, ahnt sie, aber mag‘s nicht verraten. Kontakte nach Mainz, privat wie beruflich, hatte sie selbst nie, ihr Mann hatte einst immerhin ein paar Semester da studiert. Es wird auch inhaltlich ein recht schwungvoller Neuanfang für sie. Das Land, fortan schwarz-rot regiert, hat bisher ein Schulsystem aus „Realschule plus“, „integrierter Gesamtschule“ und Gymnasium mit G8/G9-Mix. Doch etwas anders als in Bayerns Bildungsszene.

In der CSU war nur ein ganz kleiner Kreis eingeweiht. Der Ministerpräsident, also jetzt der bayerische, wurde von Eiling-Hütig informiert, als ihre Entscheidung stand. Die häufigste Reaktion in der Partei: Überraschung. Eiling-Hütig gilt als kritischer Geist, von eher kühlem Charme und hoher Sachkompetenz. Intern erlaubt sie sich ab und zu etwas, was in der CSU selten geworden ist: Widerworte. Ehrgeizig, ja, aber ihr direkter Aufstieg in Bayern war verbaut: Der Koalitionspartner Freie Wähler hat das Kultusressort, und Ministerin Anna Stolz gilt als kundigste Ministerin ihrer Partei; der Staatssekretärsposten wurde gestrichen. Auch der Oberbayern-Proporz war für Eiling-Hütig kaum hilfreich beim Weiterkommen, zu großes Gedränge.

Nun eben der Umzug. Begleitet von freundlichen Worten. Stolz rief an, gratulierte, freut sich aufs Wiedersehen in der Kultusministerkonferenz. Söder twittert, Rheinland-Pfalz bekomme „eine sehr kompetente Bildungspolitikerin an der Spitze des Ministeriums“.

Die CSU-Fraktion wird jetzt noch männlicher. Der Münchner Ludwig Spaenle wird mittelbar wohl im Herbst in den Landtag nachrücken. Die Führung im Bildungsausschuss wird neu vergeben. Und für Eiling-Hütig beginnt was ganz Neues. Aufgeregt? „Ja“, sagt sie nach kurzem Zögern. „Durchaus.“

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