Seine Tankstelle ist fast 100 Jahre alt – und oft die günstigste in der Region. © Löb/dpa
Ein Foto aus den 70ern: Damals kostete das Benzin bei Brendel nur 67 Pfennig.
Die Preise werden von Hand geändert: Und das macht Herbert Brendel nur alle 14 Tage, wenn er die Tanks neu befüllen lässt.
Behringersmühle – Wenn Herbert Brendel früh um 8 Uhr seine 100 Jahre alte Tankstelle im oberfränkischen Behringersmühle aufsperrt, checkt er manchmal übers Internet die Benzin-Preise seiner Konkurrenten. „Wenn die vier Cent unter mir liegen, dann kann ich mich erst mal um meine Oldtimer kümmern oder im Garten was machen“, sagt der 81-Jährige. Spätestens ab Mittag kehren die Stammkunden zurück, weil Brendel dann weit und breit der Billigste ist: Denn seine Preise ändern sich nur, wenn die 23.000-Liter-Tanks leer sind und er neu beim Kraftstoff-Lieferanten einkaufen muss.
Brendels freie Tankstelle zwischen Bayreuth und Forchheim wirkt wie aus der Zeit gefallen – sie ist eine der ältesten in ganz Deutschland. Doch nicht nur für ein Foto lohnt sich der Stopp abseits der B470: Denn der Kfz-Meister macht das tägliche Drehen an der Preisschraube nicht mit. „Wenn der Kraftstoff einmal bei mir im Tank ist, kann der Preis doch nicht jede Stunde rauf oder runter gehen“, schimpft er. Deswegen ändert Brendel auch nur alle 14 Tage oder drei Wochen von Hand den Literpreis auf der Tafel neben den beiden Zapfsäulen. „Was ich billig eingekauft habe, gebe ich mit einem kleinen Aufschlag genauso an meine Kunden weiter.“ Deswegen konnte er auch nur mit dem Kopf schütteln, als mit Beginn des Iran-Kriegs bei den großen Tank-Konzernen der Tarif sprunghaft in die Höhe schoss. „Dabei kommt der Öl-Preis doch erst nach zwei Monaten auf dem Markt an.“
Die Ursprünge seiner Tankstelle liegen im Jahr 1874: Damals gründete sein Urgroßvater Hans eine Schmiede am selben Ort. Als der Tourismus ins idyllische Wiesent-Tal kam, schaffte Brendels Großvater ein Mietauto an, später eröffnete eine Kfz-Werkstatt mit Autohandel. „Um für die Neuwagen-Auslieferung nicht ständig Kanister zu holen, machte die Tankstelle auf.“ Bis zum Bau der Umgehungsstraße in den 70er-Jahren war es auf 50 Kilometern die einzige Tankstelle. Historische Fotos künden von glücksseligen Tagen für Autofahrer: Unter der Esso-Flagge kostete Benzin 67 Pfennig, Super 74 Pfennig. In den 80ern als Avia-Zweigstelle waren es 94 Pfennig und eine Mark.
„Seit 35 Jahren komme ich hierher, vor jedem Urlaub tanke ich bei ihm auf“, sagt Brendels Nachbar Karl Denzler (63). „Er verändert halt nicht immer die Preise.“ Die höchsten Sprünge erlebte Brendel Ende März dieses Jahres. „2,29 Euro für Diesel waren es am 31. März“, erinnert er sich. „Aber mich greift niemand dafür an, meine Kunden wissen ja, dass ich mit der Tankstelle nicht reich werden will.“
Vor 28 Jahren starb sein Sohn Johannes bei einem Autounfall, seitdem lässt Brendel den Laden sonntags zu. Vor fünf Jahren sperrte er auch seine Renault-Werkstatt zu, weil er keinen Nachfolger fand. „Was soll ich denn sonst jeden Tag machen? Um 9 Uhr schon den Fernseher anschalten?“ Nur wenn er und seine Frau ihren Schwiegersohn im Harz treffen oder im Sommer eine Woche an die Ostsee fahren, bleiben die Zapfsäulen aus. Sonst halten montags bis samstags 20 bis 40 Kunden bei ihm zum Boxen-Stopp. „Ich müsste mir ja sonst ein neues Hobby suchen“, sagt Brendel schmunzelnd.