ZUM VATERTAG

Das hat mir mein Papa vererbt

von Redaktion

Prominente verraten, welche Spuren ihre Väter in ihrem Leben hinterlassen haben

Liebe zu Kunst und Handwerk eint Magnus Müller-Rischart auf ewig mit seinem verstorbenen Vater Gerhard. © M. Schlaf

Erbstück: die Baumkuchensichel an der Weihnachtstafel.

Groß und zuversichtlich – wie ihr Vater Fritz (Bild unten): Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller mit Baumkuchen. © M. Schlaf

„Ich trage ihn in meinem Herzen“: John Jürgens mit seinem verstorbenen Vater Udo. Zu seinem 50. Geburtstag bekam er ein Säckchen mit besonderer Erde. © People Picture/compb

München – Christi Himmelfahrt ist der Tag der Väter. Manche Papas nutzen ihn für einen Ausflug in geselliger Herrenrunde – mit Bollerwagen und Bierfass. Andere verbringen lieber Zeit mit ihrer Familie. Auf jeden Fall ist der Tag ein Anlass, den Vätern Danke zu sagen für ihre Liebe, Unterstützung und Fürsorge. Und sich daran zu erinnern, welche Spuren die Väter im Leben hinterlassen haben, wenn man den Tag nicht mehr mit ihnen feiern kann. Lesen Sie über drei Erbstücke mit besonderer Bedeutung.

John Jürgens

Die Liebe zur Musik sowie der Respekt gegenüber anderen Menschen seien ihm von seinem Vater Udo Jürgens mitgegeben worden, erzählt DJ John Jürgens. Besonders wichtig seien seinem Vater Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Meinungen gewesen. „Wir sind viel gereist durch Länder und Kontinente und haben dabei stets Freundlichkeit und Zuvorkommenheit erfahren“, so John Jürgens. Offenheit, Toleranz und Anstand seien für ihn grundlegende Werte, die er auch seinen Kindern Jasmin, Dennis und Lilly weitergebe. „Es geht im Leben nicht nur um materielle Dinge oder darum, wie teuer Geschenke waren“, so Jürgens. Manche Erinnerungsstücke hätten einen unschätzbaren ideellen Wert, der sich mit nichts aufwiegen lasse.

Ein solches Erinnerungsstück ist ein Säckchen Erde, das er im Februar 2014 zu seinem 50. Geburtstag von seinem Vater erhielt. Die Erde stammt aus dem Garten des Elternhauses seines Großvaters in Moskau. „Als mein Vater diese Erde in den Händen hielt, war er sehr berührt – es war ein sehr emotionaler Moment für ihn“, erzählt der 62-Jährige.

John Jürgens’ Großvater Rudolf Bockelmann wurde 1904 in Moskau als Sohn des deutschen Bankdirektors Heinrich Bockelmann geboren. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs floh die Familie aus Russland und ließ sich schließlich auf Schloss Ottmanach in Kärnten nieder, wo Udo Jürgens später aufwuchs.

„Meinem Vater hat diese Erde sehr viel bedeutet.“ John Jürgens bewahrt sie in diesem Bewusstsein weiter für seine Kinder auf. Als sichtbares Symbol für die Wurzeln der Familie. Einen besonderen Anlass wie den Vatertag brauche es für die Erinnerung an seinen Vater nicht. „Ich trage ihn immer im Herzen, und durch seine Musik ist er ohnehin präsent. Seine Lieder machen ihn auf ihre Weise unvergessen.“

Magnus Müller-Rischart

Es ist die Liebe zum Handwerk – und zur Kunst –, die Magnus Müller-Rischart und seinen verstorbenen Vater Gerhard eint. „Leidenschaft gehört zu einem erfolgreichen Unternehmertum“, sagt der Chef der Münchner Traditionsbäckerei. Sein Gespür für Ästhetik hat der Vater dem Sohn in die Wiege gelegt. Schon als Kind begleitete Magnus Gerhard zu Ausstellungen, war fasziniert von den knalligen Werken des Malers Rupprecht Geiger. In der Backstube auf der Theresienhöhe hängt ein Bild des luxemburgischen Malers Fernand Roda – ein Geschenk des Vaters an seinen Sohn. „Mein Vater wollte Kunst raus aus dem Museum und zu den Menschen bringen, damit sie möglichst vielen Menschen zugänglich wird. Er ist damals ganz neue Wege gegangen, indem er Kunst in den öffentlichen Raum brachte“, sagt der 47-Jährige. Er führt das von seinem Vater ins Leben gerufene Projekt „RischArt“ zur Kunst- und Kulturförderung in München heute weiter. Auch im Tagesgeschäft denkt Magnus oft an seinen Vater, der 2024 im Alter von 80 Jahren verstarb. „Er war ein guter Rat- und Ideengeber. Und er war ein bissl mehr Bauchmensch mit einem sehr guten intuitiven Gespür. Wir haben uns gut ergänzt.“ Am Vatertag war die gemeinsame Skitour zum Saisonabschluss zur lieb gewonnenen Tradition geworden.

Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller

„Unübersehbar habe ich von meinem Vater die Körpergröße geerbt – 1,87 Meter“, sagt Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller mit einem Augenzwinkern. Ihr Vater Fritz baute nach der Zerstörung des Dresdner Stammhauses im Zweiten Weltkrieg um 1950 das Geschäft der Conditorei Kreutzkamm in München neu auf. Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller führt das Traditionshaus mit ihrer Tochter Katharina in sechster Generation weiter. „Mein Vater hat mir drei besondere Werte mitgegeben“, erzählt sie. „Zum einen die Verlässlichkeit, dass man zu seinem Wort steht – das klassische Kaufmannswort. Es braucht keinen Vertrag mit Unterschrift. Wenn man jemandem sein Wort gibt, dann zählt das! Das begleitet mich mein gesamtes Berufsleben. Ebenso die Zuversicht. Man kann aus dem Nichts, aus Scherben, wieder etwas aufbauen. Das hat mein Vater nach dem Krieg hier in München gemacht. Und diese Zuversicht und das Vertrauen in sich selbst – das hat er mir mitgegeben.“ Und dann ergänzt Elisabeth-Kreutzkamm Aumüller lachend: „Damit wir hier nicht nur staatstragend sind: Auch die Lebensfreude, das Genießen und ein bisschen die Lust auf Party habe ich von ihm.“ Nicht zu vergessen auch ein konkretes Erbstück: eine Baumkuchensichel. Mit dem besonderen Messer, das in der Familie auch zum Einsatz kommt, lässt sich die Spezialität von Kreutzkamm hauchfein schneiden.S. SCHWINDE, D. POHL

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